Stadträume für Bildung gestalten (Teil 4/4)

Dokumentation des Großstadtnetzwerks

Art:

Ort:
Online
Veranstaltung
via Teams
Datum: 
Dienstag, 15. Juni 2021 (ganztägig)
Kontakt:
Wie kann in Quartieren ein hochwertiges und bedarfsgerechtes Bildungs- und Begegnungsangebot zur Verfügung gestellt werden? Welche baulichen Maßnahmen können das lebenslange Lernen im Quartier unterstützen? Wie können pädagogische Ansprüche und räumliche Gestaltung Hand in Hand gehen? Was sind die Gelingensbedingungen für eine ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Kommune?  

In der bildungswissenschaftlichen Debatte wird zunehmend der Blick auf das Quartier gerichtet: Denn eine sozialräumliche Betrachtung und Handlungsorientierung von bildungsrelevanten Entwicklungen ermöglichen es, lokale Bildungslandschaften bedarfsorientiert zu planen und weiterzuentwickeln. Um jedoch stimmige Lösungen für pädagogische und bauliche Fragen zu erarbeiten, bedarf es im Rahmen des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den bildungsrelevanten Ämtern sowie der Stadtentwicklung. Besonders beim Aufbau und der Weiterentwicklung (neuer) Quartiere und Lernorte kann diese ressortübergreifende und multiprofessionelle Zusammenarbeit erprobt werden.

Der vierte und letzte Teil des Großstadtnetzwerks nahm das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung in den Blick. Im Fokus standen die Rolle von Kommunen sowie Kindern und Jugendlichen in Beteiligungsprozessen, die Chancen der digitalen Jugendbeteiligung sowie vielfältige methodische Möglichkeiten zur partizipativen Gestaltung von städtebaulichen Planungsprozessen. 
 
Mit Blick auf „Stadträume für Bildung gestalten“: Wo steht Ihre Kommune, wenn es um die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen geht? 
 

Mentimeter Abfrage zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Aus der Wissenschaft | Partizipation braucht einen Perspektivwechsel – zu den Rollen von Kommune und Jugendlichen in Beteiligungsprozessen 

In seinem Einführungsbeitrag näherte sich Prof. Reutlinger zunächst der Perspektive von Kindern und Jugendlichen auf Bildungsprozesse, öffentliche Räume bzw. deren Aneignung und den Vorstellungen und Erwartungen an Beteiligungsprozesse seitens der Zielgruppe. Anschließend stellte er die Ergebnisse des EU-weiten Forschungsprojekts PARTISPACE vor, aus dem sich sieben Spielarten Jugendlicher Aneignung ableiten.  Den Abschluss des Vortrags bildeten die Herausforderungen jugendlicher Beteiligung bei der Umsetzung von Bau- und Planungsprojekten aus kommunaler Sicht.  

Erwachsene im Allgemeinen, institutionelle (und pädagogische) Akteurinnen und Akteure im Besonderen, vertreten die Meinung, dass Kinder und Jugendliche Partizipation erst einmal lernen müssen, bevor sie mit umfassenden (Mit-)Bestimmungs- und (Mit-) Entscheidungsrechten ausgestattet werden. Ein notwendiger Perspektivenwechsel verabschiedet sich von diesem Defizitblick und öffnet den Blick für die Frage, wie Kinder und Jugendliche ihr(e) Leben bewältigen, sich in öffentlichen Räumen positionieren, in denen sie gleichzeitig als partizipierende Bürger:innen „in the making“, adressiert werden.

Prof. Christian Reutlinger, Ostschweizer Fachhochschule

Abschließend nutzte Prof. Reutlinger die im Forschungsprojekt identifizierten Partizipationsspielarten, um mögliche Anknüpfungspunkte für die Einbindung von jungen Menschen in öffentlichen Planungsprozessen zu aufzuzeigen.  

Weitere Informationen: 

Aus der Praxis I| GebGoesOn: Mit digitale Jugendbeteiligung zur Quartiersentwicklung

Benjamin Bronau, Mitarbeiter des Jugendamts der Stadt Nürnberg und Leiter des Kinder- und Jugendhauses z.punkt, stellte in seinem Beitrag einen Jugendbeteiligungsprozess zur partiellen Quartiersentwicklung im Stadtteil Gebersdorf vor. GebGoesOn nutzt Beteiligungsformen und -methoden, die sich konsequent an der Lebenswelt von jungen Menschen orientieren, u.a. eine digitale Strategie. Durch das Online-Spiel „Minecraft“ wurden Jugendliche dazu animiert, ihren Stadtteil im Rahmen von „Baunächten“ virtuell nachzubauen. Auf dieser Basis wurden die Umgestaltungsideen der Zielgruppe auf ihre Realisierbarkeit geprüft. Als wichtige Gelingensbedingungen des Vorhabens nannte Herr Bronau gewachsene und neue interne wie externe Kooperationen, u.a. mit Pat:innen, die beispielsweise Kontakte zu behördlichen Planungsakteur:innen oder der politischen Ebene herstellten und als Fürsprecher:innen der Sache agierten. 

Weitere Informationen:  

Aus der Praxis II| Partizipative Stadtentwicklung: Synergien nutzen und spielend planen!

Luisa Rubisch, Mitarbeiterin der des Architektur- und Beteiligungsbüros „Die Baupiloten“, stellte im Gespräch mit der TAG ein breites Spektrum an entwickelten Beteiligungsformaten dar: Atmosphärenforschung, Tuschelrunden, Schulvisions-Planspiele, mobiles Wünschemobil, kindgerechte Visionswerkstätten bieten verschiedenste kreative Möglichkeiten, Kinder- und Jugendliche in kommunale Planungsprozesse im Bildungsbereich wie z.B. Schulbau oder die Entwicklung integrierter Bildungsorte, einzubinden.  Am Beispiel des „Stadtteilhauses West“ – ein Stadtteilzentrum mit Stadtteilbibliothek – in Erlangen wurde zudem verdeutlicht, wie wichtig die frühzeitige Auftrags- bzw. Prozessklärung ist. Darüber hinaus zeichnete sich der Erfolg des Projekts durch Mut und Freude am Vorhaben, starke Kooperationspartner:innen sowie die langfristige Einbindung von Nutzer:innen und Akteur:innen während des gesamten Prozesses aus.  

Es geht uns ganz stark darum, dass Kommunen die Multiplikator:innen vor Ort einbinden, damit Beteiligung gelingen kann. Lust und Offenheit, den Prozess mitzugehen und Flexibilität, den ergebnisoffenen Prozess dann auch zuzulassen, wenn er einsetzt. Mut zum Experiment und eine gewisse Frustrationsfähigkeit sind ebenfalls zentrale Gelingensbedingungen. Natürlich gibt es Momente, in denen man alles ermöglichen will, aber später merkt, es gibt kein unendliches Budget. Das gilt es dann an die Bürger:innen  zu kommunizieren.

Luisa Rubisch, Die Baupiloten
Weitere Informationen:  
 

Das Großstadtnetzwerk der Transferagentur für Großstädte

Das Großstadtnetzwerk der Transferagentur für Großstädte ist ein bundesweites Netzwerk von Kommunen, die ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement aufbauen und weiterentwickeln, um für aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich ressortübergreifende Lösungen zu erarbeiten. Die Treffen fördern den städteübergreifenden Praxis- und Erfahrungsaustausch und bieten die Zeit sowie einen vertraulichen Rahmen für kollegialen Austausch und Vernetzung. Zudem bietet es ein Forum, um Einblicke in gute Praxis vor Ort zu erhalten und Zukunftsthemen für das DKBM zu diskutieren. Ein Einstieg ins Großstadtnetzwerk ist jederzeit möglich.

 

Ansprechperson