„Wir sehen uns als aktive Bildungsgestalter – wir sind keine Kreisverwaltung, sondern eine Kreisgestaltung.“

Dokumentation der regionalen Fachveranstaltung in Bremen am 26. Juni 2018

Art:

Ort:
KWADRAT Bremen
Wilhelm-Kaisen-Brücke 4
28199 Bremen
Datum:
Dienstag, 26. Juni 2018 - 9:00 bis 17:00
Kontakt:

Am 26. Juni endete in Bremen die Reihe der vier Fachveranstaltungen. Auch zum Abschluss der Veranstaltungsreihe hatten die Teilnehmenden in Workshops und Diskussionsrunden die Möglichkeit, sich zu ihrer Arbeit kollegial und inhaltlich auszutauschen. 

Das übergeordnete Thema aller vier Fachveranstaltungen war „externe Kooperation mit Akteuren der Zivilgesellschaft in der Kommune“. Dabei meint dies ein breites Spektrum an Akteuren wie Verbände, Agenturen, Kammern, Träger der Kinder- und Jugendarbeit, Migrantenorganisationen, Sozialpartner, Religionsgemeinschaften etc.  aber auch ehrenamtliche organisierte Initiativen und Vereine. 
 
Im Förderprogramm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ ist Kooperation explizit angelegt und eine zentrale Grundannahme: Die Integration der Neuzugewanderten in das Bildungssystem, in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt kann nur kooperativ gelöst werden. Damit lässt sich eine weitere Grundannahme verbinden: „Wenn im Alltagsleben einer Kommune das Miteinander in Vielfalt funktioniert, profitiert davon die Gesellschaft insgesamt.“ (Frank Gesemann & Roland Roth; Erfolgsfaktoren der kommunalen Integration von Geflüchteten 2017; S.2).  
 
Kommunen und Akteure der Zivilgesellschaft sind also heutzutage mehr denn je gefragt zu kooperieren, denn die komplexen Aufgaben in einer Kommune können nur kooperativ und gemeinschaftlich gelöst werden. Um die vielfältigen Herausforderungen zu bewältigen, sind die Akteure vor Ort aufeinander angewiesen: es geht um deren Wissen, um deren Kompetenzen, um deren Zugänge, um deren Ressourcen, um deren Handlungsspielräume und vieles mehr. 
 
Zentraler Bestandteil der Fachveranstaltungen war es daher, in Workshops und Reflexionsphasen der Frage nachzugehen, wie Kooperation im Kontext des Förderprogramms gestaltet, umgesetzt und koordiniert werden kann. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren hatten die Möglichkeit, sich im Kontext ihrer Arbeit kollegial auszutauschen, zu beraten und voneinander zu lernen. Über die Praxisbeispiele sollten erfahrungsbasiertes Wissen vermittelt und darüber Hinweise für die Arbeit vor Ort generiert werden. D.h. es ging nicht darum, allgemeingültige Empfehlungen oder Rezepte für den Aufbau und die Pflege von Kooperation zu geben, denn dafür ist das Thema und die kommunalen Kontexte zu vielschichtig. Vielmehr sollte die Fachveranstaltung dazu beitragen, die Arbeit als Koordinatorinnen und Koordinatoren in Bezug auf die Kooperation mit externen Akteuren zu reflektieren, laufende Kooperationen einzuordnen und möglicherweise neue Handlungsoptionen für die zukünftige Arbeit zu erhalten. 
Impulsvortrag: „Externe Kooperation“
Transferagentur für Großstädte

Nach einer Begrüßung durch das Bundesministerium für Bildung in Person von Tom Evers erfolgte ein kurzer Impulsvortrag zum Thema „Externe Kooperation“ durch Katja Geerdes, Transferagentur für Großstädte.

In einer anschließenden Podiumsrunde mit Akteuren aus der Praxis erörterten die Podiumsgäste ihre Perspektiven, Ziele und Handlungslogiken in der Zusammenarbeit miteinander.
In Bremen waren auf dem Podium:
Dr. Lutz Liffers, Projektleiter bei der Senatorin für Finanzen, Bremen
Alexandra Wyschkina, Wissenschaftliche Referentin des iQ Landesnetzwerks, Bremen
Markus Rempe, Leitung des zdi-Zentrums Lippe.MINT, Lippe
Andrea May, Bildungskoordinatorin, Stadt Trier

Die Podiumsgäste stiegen direkt in die Diskussion um die Rolle der Kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren ein: Kooperation mit externen Akteuren sei kein Luxus, sondern Teil eines notwendigen Wandels innerhalb der Kommunen und der Verwaltungsstrukturen. „Die Verwaltung steht unter Druck: Neben Fachkräftemangel und zunehmender Diversität in der Bevölkerung spielt auch die Digitalisierung eine immer größere Rolle. Die Frage ist doch, welche Kompetenzen eine Verwaltung der Zukunft braucht. Die übergreifende Zusammenarbeit im Bereich Bildung bietet die Möglichkeit, Modelle für die dringend benötigte Verwaltung der Zukunft zu entwickeln“, so Lutz Liffers. Die Kommunalen Koordinatoren seien nicht nur zu einer spannenden Zeit mit ihrer Funktion in der Verwaltung eingetroffen, sondern auch in einem Themenbereich, der die Notwendigkeit für Kooperationen wie ein Brennglas zugespitzt offenlege. „Bildung ist ein Lernfeld für relevante Ansätze und Lösungen, die Verwaltung braucht, um kooperatives Arbeiten im Querschnitt insgesamt weiter voranzutreiben “, so die Diskutanten. Gerade im Bereich der Integration Neuzugewanderter ins Bildungssystem seien Systemveränderungen sichtlich unabdingbar. 

Wir sehen uns als aktive Bildungsgestalter – wir sind keine Kreisverwaltung, sondern eine Kreisgestaltung.

Markus Rempe

Wichtig für die Kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren – da waren sich die Podiumsdiskutanten einig – sei es, dieses Potenzial wahrzunehmen und gemeinsam mithilfe einer externen Kooperation mit anderen Akteuren zielgerichtete und nachhaltige Strukturen zu etablieren. Dabei ermutigte Markus Rempe die Kommunalen Koordinatoren dazu, Neues auszuprobieren – sogar wenn es das Risiko birgt, dass neue Ideen nicht immer sofort auf Anklang stoßen. Wichtig seien neben einem dezidierten Überblick über Bedarfslagen und bestehende Strukturen natürlich auch die zwischenmenschlichen Dimensionen von Kooperationen. Dabei sei es besonders wichtig, anderen Akteuren auf Augenhöhe zu begegnen. Nur so gelinge neben einer Mehrperspektivität auch die Entwicklung einer gemeinsamen Zielrichtung.   

Vertrauen in Kooperation zu haben, ist eine der hohen Künste und gelingt nur mit Ausdauer und Nachsicht – auch mit sich selbst.

Andrea May

In fünf parallelen Workshops stellten Referentinnen und Referenten ihre Beispiele aus der Praxis aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der kommunalen Koordinierung vor. Im Mittelpunkt standen Ausgangslagen, Rahmenbedingungen, Prozesse und Strukturen zum Gelingen der Kooperation.

Workshop 1 

Aufbau- und Entwicklungsprozess der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe 

Frank Martens, Leiter Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe, Landkreis Aurich, kleiner Landkreis
Moderation: Iris Lopatta, Transferagentur für Großstädte
Der Landkreis Aurich ist ein Flächenlandkreis mit vier Städten und elf Gemeinden, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Integration der ca. 4.000 neuzugewanderten Menschen ganzheitlich zu gestalten. Um diese Aufgabe zu bewältigen, wurde 2015 die Abteilung Migration und Integration gegründet. Das Besondere ist, dass die Abteilung aus abgeordneten Mitarbeitenden – vor allem Amtsleitungen und/oder Stellvertretungen – aus fast allen Ämtern und Einrichtungen des Landkreises besteht. Zusammen haben sie ein Handlungskonzept zur Integration der neuzugewanderten Menschen entwickelt.
Allein durch die Größe des Landkreises sind Kooperationen ein wichtiger Baustein: zu Gemeinden und verschiedenen Einrichtungen, wie Bildungsträger, Jugendhilfeeinrichtungen, Kirchen, Beratungsstellen, Kammern und Betriebe.
2015 wurde der Ausschuss „Migration und Integration“ eingerichtet und das ganzheitliche Handlungskonzept politisch begleitet. 2016 bis 2018 wurden jeweils 3 Millionen Euro für die Integration Neuzugewanderter im Haushalt eingestellt. Hierüber werden neben dem Personal auch individuelle Qualifizierungsmaßnahmen finanziert. 2016 wurde eine Flüchtlingsdatenbank eingeführt.
Anhand des konkreten Projekts „Qualifizierung von neuzugewanderten Medizinern“ stellte Frank Martens das Gesamtkonzept des Landkreises zur Integration Neuzugewanderter vor.
In diesem Workshop wurde gemeinsam mit den Teilnehmenden erörtert, wie es gelingen kann, in relativ kurzer Zeit eine ämterübergreifende Kooperationsstruktur aufzubauen, bei der alle relevanten Integrationsangelegenheiten inkl. Bildung zusammenlaufen. Worauf kommt es bei der Kommunikation mit relevanten Entscheiderinnen und Entscheidern an, um diese von einem gänzlich neuen Vorhaben in der Kommune zu überzeugen? Wie lassen sich die entsprechenden Ressourcen sichern?
 
Nach einer Sammlung der Erfahrungen der Teilnehmenden berichtete Frank Martens von den Anfängen bzw. der Ausgangsidee des Ausschusses „Migration und Integration“ und welche Herangehensweisen ihm dabei besonders hilfreich waren. Durch die bereits gute Vernetzung innerhalb der Kommunalverwaltung gelang es Frank Martens zunächst, die Fürsprecherinnen und Fürsprecher auf Leitungsebene ausfindig zu machen, die wiederum weitere relevante Entscheiderinnen und Entscheider von den Vorhaben überzeugen konnten. So wendete er sich zum Beispiel zunächst an die stellvertretende Leitung eines relevanten Amtes, die dann direkt das Anliegen auf Leitungsebene an den Amtsleiter weiterkommunizieren konnte. Auch achtete er bei der Kommunikation darauf, dem Gegenüber so präzise wie möglich den langfristigen finanziellen Mehrwert dieser Integrationsvorhaben darzulegen und hierdurch den konkreten Nutzen der Strukturen für die Kommune insgesamt transparent zu machen. 
 
Mittlerweile kann der Landkreis Aurich auf eine mehrköpfige Koordinierungsstruktur zur Integration Neuzugewanderter zurückgreifen, die neben der Steuerung auch die Daten eines flächendeckenden Integrationsmonitorings zusammenführt und aufbereitet. 
Workshop 2 

Netzwerk Bildung & Sprache

Markus Rempe, Leiter Fachdienst Bildung Lippe, Kreis Lippe, großer Landkreis 
Moderation: Kathrin Flaspöler, Transferagentur für Großstädte
Das Kooperationsprojekt „Bildung & Sprache“ (BUS) entwickelte unter Einbindung interner wie externer Kooperationspartnerinnen und -partner eine tragfähige Netzwerkstruktur und fungiert bis heute als operativer Kern und Steuerungsgremium der Aktivitäten.
Vor dem Hintergrund, dass die Ergebnisse bei der Feststellung des Sprachstands in einer lippischen Kommune unbefriedigend waren, wurde gemeinsam mit dem Kreis das strategische Ziel formuliert, den Sprachförderbedarf von Kindern in der Kita und der Grundschule mithilfe eines gemeinsam zu erarbeitenden Sprachbildungs- und Sprachförderkonzepts zu senken. In Folge kam es zu messbaren Verbesserungen der Sprachkompetenz, insbesondere bei Kitakindern und im weiteren Verlauf bei Schülerinnen und Schülern.
Im Workshop thematisierte Markus Rempe den Entwicklungsprozess, die Gelingensbedingungen und auch die Konfliktpunkte des Kooperationsprozesses.

Die Diskussion im Workshop drehte sich vor allem um die Fragen rund um den Auftrag und den Rückhalt durch die Politik. Auch die Sprachstandfeststellung und die unterschiedlichen Systematiken der Träger sowie die in Nordrhein-Westfalen abgeschaffte Sprachstandsfeststellung wurden thematisiert.

Je größer der politische Rückhalt, desto größer kann man denken. Ist der politische Rückhalt klein, sollte man auch erst einmal klein denken.

Markus Rempe
Die Etablierung des Netzwerkes Bildung und Sprache hat insgesamt fünf Jahre gedauert. Der Druck, der in der Politik herrscht, Erfolge zu erzielen und auch die kurze Laufzeit im Förderprogramm der Kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren (2-4 Jahre) wurden im Hinblick darauf als herausfordernd angesehen.
Als Kernlösungsansatz hob Markus Rempe die externe und akzeptierte Moderation hervor, durch die sichergestellt wurde, dass alle Akteure eine gleichgestellte Rolle in dem Vorhaben hatten. 
 
Workshop 3

Modell Migrantenklasse 18+ - Kooperationsmodell zwischen Berufsschule, Sprachkursträger (BAMF) und Jugendamt 

Andrea May, Bildungskoordination für Neuzugewanderte, Bildungs- und Medienzentrum, Stadt Trier, größere kreisfreie Stadt
Moderation: Katja Geerdes, Transferagentur für Großstädte

Ein wichtiges Handlungsfeld in der Bildungsarbeit mit Neuzugewanderten ist die Zielgruppe der nicht mehr schulpflichtigen Migranten und Flüchtlinge, die Unterstützung bei der (Wieder-) Aufnahme ihrer formalen Bildung, ihrer Berufsorientierung und der Integration in Gesellschaft und Arbeit benötigen. In dem Workshop wurden die Prozessgestaltung des Kooperationsmodells zwischen Berufsschule, Sprachkursträger (BAMF) und Jugendamt „Migrantenklasse 18+“ vom landespolitischen Auftrag hin zum Modell der Kommune skizziert und zentrale Akteure, entwicklungsrelevante Prozessschritte, erfolgskritische Bedingungen vorgestellt und diskutiert.

Angeregt wurde über die Frage diskutiert, wie Bildungsabbrüche bei Neuzugewanderten vermieden werden können. Dafür wurden verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt: beispielsweise der Einsatz von Sprach- und Kulturmittlerinnen und -mittler, die Betonung der Bedeutung von formalen Abschlüssen im Rahmen von Bildungsberatung und die konkrete Planung und detaillierte Besprechung zu gehender Schritte auf dem persönlichen Bildungsweg. Viele Neuzugewanderte stehen unter dem Zwang, Geld verdienen zu müssen, weswegen die Möglichkeit, Erwerbstätigkeit und den Erwerb von Bildungsabschlüssen vereinbaren zu können, wesentlich ist. 
 
Außerdem wurde darüber gesprochen, wie die Perspektive von Lernenden besser in die Maßnahmenplanung aufgenommen werden kann. Ein Lösungsansatz dazu ist das sogenannte Klassengespräch, in dem Mitglieder einer Lenkungsgruppe mit Lernenden zusammenkommen und voneinander erfahren, was sie bewegt. Ein wichtiger Lösungsansatz ist zudem Zeit. Viele Neuzugewanderte benötigen durch die Sprachbarrieren oder mangelnde Erfahrungen mit dem Bildungssystem teilweise mehr Zeit, um sich zu orientieren. Auf eine passende Belastung bzw. Auslastung der Lernenden zu achten, ist ein wesentlicher Aspekt auf dem Weg, Abbrüche auf dem Bildungsweg Neuzugewanderter zu vermeiden.

Interesse an den Akteuren und dem was sie tun, Verhandlungsgeschick und sicher auch Humor helfen bei Kooperationen ungemein.

Andrea May
Workshop 5 

Steuerungsgruppe „Willkommen bei Freunden“

Sandra Lamm, Bildungskoordination für Neuzugewanderte, Fachdienst Jugend und Schule, Abteilung Bildung und Planung, Bildungsbüro, Landkreis Wittenberg, mittelgroßer Landkreis
Moderation: Hadrien Segond, Transferagentur für Großstädte
Im Rahmen des Bundesprogramms „Willkommen bei Freunden- Bündnisse für junge Flüchtlinge“ entstand eine Steuerungsgruppe, die seit 2016 im Landkreis Wittenberg etabliert ist. Übergeordnetes Ziel der Kooperation ist die Begleitung junger Geflüchteter zwischen 15 und 24 Jahren auf ihrem Weg in ein eigenständiges Erwachsenen- und Berufsleben. Hierzu soll eine Strategie zur Integration und Teilhabe junger Geflüchteter entwickelt und umgesetzt werden. Zudem sollen die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren verbessert, Doppelstrukturen vermieden und die Akteure vernetzt werden. Wesentliche Akteure der Steuerungsgruppe sind u.a. der stellvertretende Landrat, die Fachdienste Jugend und Schule, Soziales, Gesundheit, Asyl- und Ausländerangelegenheiten, Raumordnung und Regionalentwicklung, die KAUSA-Servicestelle, das Jobcenter und die Bundesagentur für Arbeit sowie die Kommunalberaterinnen und -berater von Willkommen bei Freunden.
Als Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte ist Sandra Lamm festes Mitglied der Steuerungsgruppe. Sie berichtete über die ressortübergreifende Steuerung der Zusammenarbeit und ging auf einzelne zentrale Aspekte des Prozesses vertiefend ein. Dabei ging es unter anderem um Konflikte und Lösungsansätze, die Etablierung von Strukturen, Strategieentwicklung mit den Kooperationspartnern sowie die Schaffung von Nachhaltigkeit.
Eine zentrale Frage des Workshops war, wie es gelingen kann, die wichtigsten Akteure einer externen Kooperation überhaupt an einen Tisch zu bringen. Für eine Steuerungsgruppe im ländlichen Raum ist es ein zentrales Anliegen, die Bürgermeister bzw. Bürgermeisterinnen der kreisangehörigen Gemeinden für ein solches Gremium zu gewinnen. Die Steuerungsrunde im Praxisbeispiel profitierte grundlegend von zwei wesentlichen Aspekten. Zum einen gab es seitens des Landrats ein politisches Bekenntnis und den formulierten Wunsch, Integration zur Chefsache zu machen. Mithilfe des Programms „Willkommen bei Freunden“ wurden die strukturellen Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit gelegt. Dennoch braucht es gemeinsame Ziele, um das Bekenntnis von „oben“ auch in den Landkreis zu transportieren. Vor dem Hintergrund des starken Bevölkerungsrückgangs in der Region und einem wachsenden Fachkräftemangel wurde erkannt, dass Neuzugewanderte als potenzielle Arbeits- und Fachkräfte verstanden werden müssen.
 
Ein erster wichtiger Schritt im Aufbau der Steuerungsgruppe war die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie zur Untermauerung gemeinsamer Ziele, zur Schaffung von Transparenz und zur Verdeutlichung des durch die Mitarbeit zu erwartenden Mehrwerts für die beteiligten Akteure. An der Strategieentwicklung waren der Landrat, Bürgermeister der Gemeinden, die Abteilungsleiterin Bildung und Planung sowie die Bildungsmanagerin und die Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte beteiligt. Ein Mehrwert für den Prozess und darüber hinaus für die tägliche Arbeit aller Akteure der Steuerungsgruppe war die Erstellung einer Netzwerkanalyse. Mit diesem Werkzeug lässt sich übersichtlich darstellen, welche verwaltungsinternen und -externen Akteure im Landkreis im Bereich der Migration arbeiten und welche Themenschwerpunkte bearbeitet werden. Mit der Netzwerkanalyse ließen sich Doppelstrukturen aufdecken und benötigte Strukturen ableiten.
 
Die Steuerungsgruppe stand seit Anfang des Jahres vor der Herausforderung, angesichts des Ende 2018 auslaufenden Programms „Willkommen bei Freunden“ die Arbeit der Steuerungsgruppe zu verstetigen und nachhaltige Strukturen zu schaffen. Durch erfolgreiche gemeinsame Projekte und Schaffung von Transparenz hinsichtlich der faktischen Grundlagen des Zuwanderungsgeschehens  konnte die Steuerungsgruppe wesentlich zu einer Versachlichung des integrationspolitischen Diskurses im Landkreis und insbesondere in den kreisangehörigen Gemeinden beitragen. Dieser Mehrwert war Anlass dafür, dass die Verwaltungsspitze im Juni die Fortführung des Gremiums beschlossen hat. Als Ziel für die verstetigte Steuerungsgruppe wurde die Öffnung für weitere Altersgruppen festgelegt. Die Koordinierung übernimmt fortan die Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte. Der Prozess der Verstetigung profitierte sehr von den positiven Erfahrungen aus der bisherigen Zusammenarbeit und intensiven Vorabsprachen zur Planung. Entscheidend ist zudem die Aussicht gewesen, eine zentrale kommunale Steuerungsgruppe verankern zu können, die sich um weitere Themengebiete kümmern kann. 
 

Reflexionsphasen

Sowohl nach dem Einführungsimpuls und der Podiumsdiskussion als auch nach der Workshopphase hatten die Teilnehmenden in zwei Reflexionsphasen Gelegenheiten zum Austausch untereinander. In Kleingruppen (aufgeteilt nach Kommunengröße), konnten sich die Kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren zusammenfinden und das Gehörte auf die eigene Arbeitsrealität übertragen. 
Auf einem Problem-Lösungsbaum hielten sie zunächst ihre Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit externen Akteuren fest und konzentrierten sich am Nachmittag auf mögliche Lösungsansätze
 
Hier steht Ihnen eine Auswahl der bearbeiteten Lösungsbäume der vier Fachveranstaltungen als Download zur Verfügung:

Bildergalerie mit einigen Impressionen der Fachveranstaltung in Bremen

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