Das Beispiel Duisburg

Seiteneinstieg sozialräumlich. Das Modellprojekt „Zusammen – Zuwanderung und Schule gestalten“
Workshop 4

Workshop 4 mit Elisabeth Pater, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Duisburg, und Karen Dietrich, Projektmanagerin RuhrFutur gGmbH

Mit dem Modellprojekt „Zusammen – Zuwanderung und Schule gestalten“ hat die Stadt Duisburg gemeinsam mit der RuhrFutur gGmbH (Stiftung Mercator) ein Projekt zur integrativen Beschulung neu zugewanderter Kinder mit geringer Schulerfahrung ins Leben gerufen. Das Projekt will Schülerinnen und Schüler zwischen 7 und 13 Jahren dabei unterstützen, die deutsche Sprache zu erlernen und sich im Alltag und Umfeld von Schule zu orientieren. Dabei arbeiten sie möglichst eng mit Eltern der jungen Menschen zusammen. In Duisburg Marxloh werden zu diesem Zweck in je zwei Modellklassen – an einem Gymnasium und einer Grundschule – multiprofessionelle Teams eingesetzt, die sich aus Lehrkräften, sozialpädagogischen Fachkräften und interkulturellen Beraterinnen und Beratern zusammensetzen. Der Fokus liegt dabei auf schulischer wie außerschulischer Unterstützung, auf Elternarbeit und einem sozialräumlichen Ansatz. Fremdsprachenkenntnisse und eigene Migrationserfahrung werden in diesen Teams vorausgesetzt. Der kontinuierliche Kontakt zu den Eltern macht es möglich, diese auch an weitere Unterstützungsangebote im Stadtteil zu vermitteln. 

Das Konzept ist auf Städte wie Duisburg abgestimmt mit einem hohen Anteil besonders von Armut und Armutszuwanderung geprägter Stadtteile. Um diese Arbeit an den Schulen fortzuführen und auszubauen, sind diese Städte weiterhin auf externe Unterstützung angewiesen.
Die verschiedenen Bausteine des Projektes sollen daher einzeln betrachtet und auf Möglichkeiten der Verstetigung geprüft werden. Das Projektteam setzt auf die Entwicklung von transferfähigen Konzeptbausteinen, die über RuhrFutur überregional zur Verfügung gestellt werden sollen. Geplant sind:

  • Ein Instrumentarium für die Sprachstandsfeststellung und Diagnostik, das auf die Arbeit in Lerngruppen mit Kindern mit z.T. geringer Schulerfahrung abgestimmt ist. (in Kooperation mit der Universität Duisburg/Essen, Institut ProDaz) Hier geht es auch darum, bestehende mündliche Mehrsprachenkompetenz zu erfassen und aufzugreifen;
  • ein Qualifizierungsmodul für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte;
  • ein Instrument zur Erhebung von Veränderungen der sozialen Situation einzelner Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Familien im Prozess.

Mit der Verortung von zwei der Lerngruppen an einem Gymnasium will man dem „Automatismus Hauptschule“ entgegenwirken. Bereits im Jahr 2012 hatte die Stadt Duisburg ein Handlungskonzept „Zuwanderung aus Südosteuropa“ verabschiedet, das seither unter Leitung des Kommunalen Integrationszentrums umgesetzt wird. Die Stadt war Initiatorin des Arbeitskreises „Zuwanderung aus Südosteuropa“ des Deutschen Städtetags. Duisburg befindet sich als Stadt in Haushaltsnotlage laufend in Verhandlung mit Bezirksregierung, Land und Bund zu Fragen der Finanzierung. Die AG zum Teilprojekt Bildung des Handlungskonzepts befasste sich aufgrund der hohen Zuzugszahlen beinahe ausschließlich mit der Frage, wie der Rechtsanspruch auf Schulplätze überhaupt sichergestellt werden kann in einer Situation, in der quasi monatlich eine neue Grundschule eröffnet werden könnte. Eine Arbeitsgruppe in der Umsetzungsstruktur des Handlungskonzepts war allein mit dem Thema Akquise von Fördermitteln befasst. Das Modellprojekt „Zusammen – Zuwanderung und Schule gestalten“ ermöglicht jetzt den Einstieg in die Diskussion qualitativer Erfordernisse der Schulentwicklung und der übergreifenden Kooperation.

In der Diskussion des Konzepts hervorgehoben wurde die Orientierung hin zum Stadtteil: Die Begleitung der Schülerinnen und Schüler macht nicht mit dem Schulschluss halt, sondern wird im Kontakt mit den diversen Anlaufstationen im Stadtteil fortgeführt. Als Erfolgsfaktor wurde außerdem das Zusammenspiel der multiprofessionellen Teams untereinander und mit dem Regelbetrieb von Schule genannt. Erste Kooperationsbeziehungen der teilnehmenden Schulen, wie der Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums und der Regenbogenschule, einer Grundschule, sind vielversprechend.

Das Duisburger Beispiel wurde auf dem Kommunalsalon "Neue Migration – Kommunales Bildungsmanagement als Motor für die Integration?" vorgestellt. Zur Dokumentation geht es hier.