Bericht geschrieben – Was nun?

Schritt 6

Ist der Bildungsbericht geschrieben, steht die nächste Herausforderung bevor. Denn der Bericht soll seinen Weg nicht nur in die Regale der kommunalen Verantwortungsträger finden. Die Befunde und möglichen Handlungsempfehlungen sollen in kommunalen Strategien und der Praxis umgesetzt werden. Wie kann eine Öffentlichkeitsarbeit rund um das Bildungsmonitoring aussehen? Und wie lässt sich ein gewünschter Diskurs befeuern?

In Mannheim wird die Veröffentlichung des Bildungsberichts von Fachvortragsreihen flankiert: Zu einem jeweils gesetzten Thema wird Fachöffentlichkeit eingeladen, um die Ergebnisse des Berichts zu diskutieren. Erst aus dieser Debatte ergeben sich dann Handlungsimpulse und -empfehlungen. Diese Reihenfolge erfolgt nicht ohne Absicht: „Wenn wirklich damit gearbeitet wird, erhöht das die Akzeptanz“, so Heike Fleischmann, Abteilungsleiterin des Fachbereichs Bildungsplanung und Schulentwicklung aus Mannheim. Ein Ergebnis des Bildungsberichts war die Erstellung des Entwicklungsplans „Bildung und Integration“, der speziell die Lage von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Blick nimmt. Auf Grundlage der Empfehlungen von Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu wurde im Dezernat ein Stufenplan für drei Jahre entwickelt und mit Zielen und Kennzahlen hinterlegt – u.a. in Bereichen wie Sprachförderung, Übergänge und Unterstützungssysteme. Für die Umsetzung des Stufenplans hat der Gemeinderat 300.000 Euro bereitgestellt, mit denen u. a. ein integrativer Schulcampus entwickelt und eine Grundschule bei der Entwicklung zur Ganztagsschule mit besonderem Fokus – z.B. auf die Steigerung der Übergangsquoten von Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund begleitet wird.

Auch in Augsburg wird darauf verzichtet, den Bericht mit Handlungsempfehlungen zu versehen. Stattdessen wird an verschiedenen Stellen das Thema Bildungsentwicklung nach vorne gespielt: Bei Gesprächen mit Stadträten, durch Hinweise an den Oberbürgermeister, in Gremien zur Stadtentwicklung.

In Dresden wurde die Veröffentlichung der Bildungsberichte zunächst mit einer öffentlichen Vorstellung der zentralen Ergebnisse im Rathaus flankiert. Auch intensive Pressearbeit und die Vorstellung auf zahlreichen Veranstaltungen im Stadtgebiet sorgten für die nötige Aufmerksamkeit. „Die größte Resonanz hatte jedoch die Vorstellung der Ergebnisse in den verschiedenen Sozialräumen in den einzelnen Ortsteilen. Vieles, was man gefühlt bereits so gemutmaßt hatte, wurde nun durch harte Fakten unterlegt. Ein Bericht, der nur für die Schublade geschrieben wird, ist kein guter Bericht. Man muss mit den Menschen darüber ins Gespräch kommen“, beschreibt Nancy Leyda von den Transferagenturen für Großstädte, den Prozess.

Auch in Bremen wurden die Ergebnisse des Bildungsberichts in den verschiedenen Stadtteilen vorgestellt. Hierfür wurden die Befunde aus dem Bericht eigens um aktuelle Bildungskennzahlen aus dem jeweiligen Stadtteil ergänzt und in den Ortsbeiräten vorgestellt und diskutiert.
Die Teilnehmenden des Kommunalsalons diskutieren, ob es fair sei, sozialräumliche Monitoringergebnisse zu veröffentlichen oder ob das Bildungsmonitoring so zur weiteren Stigmatisierung von benachteiligten Quartieren beitrage? Das Ergebnis der Diskussion ist, dass es durch die Berichterstattung nicht schlimmer werden kann. Wichtig sei, solche Informationen an eine Kampagne zu koppeln, mit dem Hinweis auf das Entwicklungspotential des Stadtteils. Es gelte, Bildung als wirkungsvollen und positiv besetzten Hebel ins Spiel zu bringen.

Fazit

  • „Ein Bericht ist nur ein guter Bericht, wenn man darüber spricht.“ (Heike Fleischmann, Abteilungsleiterin des Fachbereichs Bildungsplanung und Schulentwicklung in Augsburg)
  • Hilfreich: Verbündete suchen und das Thema auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Gremien geduldig immer wieder bespielen.