Auf den Sozialraum fokussieren

Schritt 5

Neben der Beschaffung von Daten stehen Kommunen bei der Entwicklung eines maßgeschneiderten Bildungsmonitorings oftmals vor einer weiteren Herausforderung: Wie lassen sich soziale Ungleichheiten innerhalb der Stadt aufzeigen? Die Daten zu Bildungsentwicklungen interessieren zwar auch auf Ebene der Gesamtstadt, richtig relevant wird es aber dann, wenn auch Unterschiede zwischen Bezirken und Sozialräumen abgebildet werden können. Was gilt es hierbei zu beachten?

Im Bremer Bildungsbericht wurden vier Ortsteilgruppen erstellt, die auf dem Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und dem Anteil von Kindern und Jugendlichen basieren, die Leistungen nach SGB II erhalten. Beide Kennzahlen lassen Rückschlüsse auf die soziale Lage in den Ortsteilen zu, die sich mit anderen Befunden (u. a. aus der Armuts- und Reichtumsberichterstattung) decken. Die Ortsteile sind aufgrund ihrer Größe und den damit verbundenen Verzerrungen jedoch nicht immer die richtige räumliche Einheit, die Baublockebenen sind hingegen zu klein. Daher wurde in Bremen in „Lernen vor Ort“ die neue Kategorie „Quartier“ entwickelt, um einen spezifischen Sozialraum zu definieren. Das Quartier orientiert sich an städtebaulichen Aspekten und lässt sich daher mit allen möglichen Kennzahlen befüllen.

Das Beispiel Bremen zeigt, wie Bildungsmonitoring Transparenz schafft: Die aufbereiteten Daten sind für Bremer Bürgerinnen und Bürger einfach im Netz zu finden- auf der Seite des bereits existierenden Ortsteilatlas des Statistischen Landesamtes Bremen. Diese Informationen stehen hier einfach zugänglich für alle Bürgerinnen und Bürger bereit.

In Bielefeld hat sich bewährt, Sozialräume nach wohnortnahen Schuleinzugsbereichen voneinander abzugrenzen. Da für die Schuleinzugsbereiche keine Daten zu Einkommenssituation oder Bezug von Transferleistungen vorliegen, wurde ein Index bildungsrelevanter sozialer Belastungen gebildet, der die Armutsbedrohung von Haushalten mit Kindern erfasst. Der Impuls kam in Bielefeld aus der Verwaltung, getragen von dem Wunsch, Ungleichheiten herauszustellen und publik zu machen. Der Erfolg stellte sich ein: Ressourcen wurden aufgrund des Bildungsberichts anders verteilt. In ausgewiesenen Pilotregionen wurden die Eingangsklassen verkleinert und zusätzliche Schulsozialarbeiterstellen eingerichtet.

In Dresden wurde von Anfang an der deutliche Mehrwert einer Sozialraumtypologie für den Analyseprozess erkannt. Bei der Erstellung hat sich die Landeshauptstadt an dem Vorgehen Mannheims orientiert und fünf Sozialraumtypen entwickelt, die anhand eines Ampelsystems klare Handlungsbedarfe und Brennpunkte im Stadtgebiet aufzeigen. „Dass sich Bildungschancen selbst in einem Stadtteil so unterschiedlich gestalten, hat in Dresden viele aufgeschreckt und überrascht.“, erinnert sich Nancy Leyda. Gegenwärtig beginnt man auch hier ausgehend von den Monitoringergebnissen Ressourcen bedarfsorientierter zu verteilen, so z.B. im Schulbereich.

In der Diskussion zeigt sich, wie wichtig es ist, quantitative Daten durch die Expertise vor Ort zu ergänzen und gemeinsam mit den lokalen Akteuren zu interpretieren. Sind Maßnahmen im Sozialraum beispielsweise nicht wirkungsvoll, wenn Kennzahlen im Laufe der Zeit stabil bleiben? Diskutiert wird das Phänomen sogenannter Ankunftsquartiere, in denen immer wieder Menschen neuzuwandern, gute Ankommensbedingungen vorfinden und dann innerhalb der Stadt umziehen. Gleichbleibende Kennzahlen bedeuten in so einem Fall keineswegs, dass es nicht zu individuellen Veränderungen gekommen ist und Maßnahmen keine Wirkung erzeugt haben.

Fazit

  • Zur Kategorisierung von Sozialräumen gibt es unterschiedliche Modelle, die je nach Datenlage pragmatisch genutzt werden können. Auch hier muss jede Kommune schauen, was für sie passend und machbar ist.
  • Eine Gruppierung von Sozialräumen nach Bedarfslagen und Herausforderungen ermöglicht eine effektivere Ressourcensteuerung innerhalb einer Stadt.
  • Um sozialräumliche Entwicklungen zu interpretieren reichen quantitative Daten alleine nicht aus. Die Expertise vor Ort hilft, die in den Daten sichtbaren Entwicklungen zu verstehen und den sozialen Kontext bei der Interpretation zu berücksichtigen. Dies erlaubt dann auf die Ergebnisse angemessen und auf Wirkungen orientiert zu reagieren.
Schritt 6

Bericht geschrieben – Was nun?