Den Kern finden

Schritt 1

Kommunen, die ein Bildungsmonitoring etablieren wollen, müssen sich zunächst einmal darüber klar werden, was ihr Thema ist: Was will die Kommune thematisieren und mit welchem Ziel? Wo brennt es, und warum? Welchen Klärungsbedarf gibt es auf politischer, kommunaler oder bürgerschaftlicher Ebene? Wozu sollen die Daten dienen? Und welche Form eignet sich für diesen Zweck? Kommunale Themen und Bedarfslagen sind höchst unterschiedlich. Die folgenden Beispiele illustrieren diese Vielfalt:

Bielefeld verfasste seinen ersten Lernreport im Jahr 2012 in einer Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung. Der Kern des Vorhabens war dabei von Beginn an klar: „Wir wollten die Ressourcen nicht mehr mit der Gießkanne über ganz Bielefeld auskippen, sondern sie da verstärkt hingeben, wo der Bedarf besonders hoch ist“, fasst Niels Jösting vom Bielefelder Bildungsbüro zusammen. Der erste Bericht nahm, angelehnt an die vier Lerndimensionen der UNESCO, sowohl formale als auch non-formale Bildung in den Blick. Das soziologische Forschungsinstitut Göttingen begleitete das Vorhaben und es zeigte sich: Eine externe Moderation kann dem Prozess zusätzlich Dynamik verleihen und hilfreiche Impulse setzen. Im April dieses Jahres ist der zweite „Lernreport“ in Eigenregie der Stadt Bielefeld erschienen.

In Augsburg erschien der erste Bildungsbericht bereits 2008. Hierbei handelte es sich zunächst aber vorwiegend um eine Datensammlung und es wurde schnell klar: Um die Daten zur Steuerung zu verwenden, fehlten kleinteilige sozialräumliche Daten und Aussagen über Zusammenhänge. Der zweite Bildungsbericht nahm dann gezielt die Zusammenhänge zwischen Armut, Jugendhilfe und Bildungsteilhabe in den Blick. Deutlich wurde: „Nicht Migration ist das eigentliche Thema, sondern Armut und Elternhäuser in der Krise“, fasst Klaus Maciol, Bildungsplaner in Augsburg, zusammen. Der Bildungsbericht trug so dazu bei, den Kern der Aktivitäten der Stadt besser zu fokussieren. Dabei half auch der Austausch mit ehemaligen „Lernen vor Ort“-Kommunen. Erstellt wurde der Bericht in Kooperation mit dem Amt für Statistik und Stadtforschung. Er blieb nicht ohne Wirkung: „Mit diesem Bericht haben wir unter anderem Lücken identifiziert“, so Maciol, „und eine Diskussion angefacht. Diese trägt inzwischen Früchte.“

Als „Lernen vor Ort“-Kommune hatte sich die Landeshauptstadt Dresden zur Durchführung eines Bildungsmonitorings verpflichtet, und entsprechende Ressourcen bereitgestellt. Alle beteiligten Ämter wurden in den Prozess von Beginn an in einer Arbeitsgruppe eingebunden, um Transparenz und gemeinsame Verantwortung zu erzeugen. Das Ergebnis waren 300 Seiten, die das Lernen im Lebenslauf abbildeten und ein Schwerpunktkapitel zur kulturellen Bildung beinhalteten. Dem Bildungsbericht lag eine Sozialraumtypologie zugrunde. Nancy Leyda, damals Bildungsmonitorerin und seit Kurzem Mitarbeiterin der Transferagenturen für Großstädte berichtet: „Der Bildungsbericht gab einen breiten Überblick – erst durch die Ergebnisse wurden dann Handlungsbedarfe aufgezeigt und damit auch ein spezifischer Kern für die weitere Arbeit sichtbar. Somit wurde die Frage nach dem Thema in Dresden also erst nach dem Bericht gestellt und nicht vor dessen Erstellung. In einem nächsten Schritt wurde dann das Kommunale Handlungskonzept Bildung durch das Bildungsbüro erarbeitet, das heute handlungsleitend für die Anstrengungen Dresdens im Bildungsbereich ist.“ Der zweite Dresdner Bildungsbericht ist im Jahr 2014 erschienen.

Im Plenum diskutieren die Teilnehmenden des Kommunalsalons dann ihre Herausforderungen. Wie holt man diejenigen ins Boot, die man braucht,? Wie geht man auf Seiten der Politik mit der Sorge um, unerwünschte Ergebnisse zu erhalten? Wie nimmt man Kollegen in der kommunalen Verwaltung die Angst vor Mehrbelastung? Und noch drängender die Frage nach der der Deutungshoheit? Diese sei in Bielefeld durchaus ein Thema gewesen, erinnert sich Niels Jösting. Seine Erfahrung: „Wir mussten den Leuten klarmachen: ‚Das ist keine Bedrohung – ohne euch geht es gar nicht!‘“ Die Zusammenarbeit mit anderen Ämtern kann helfen, diese spezifische Fragestellung zu finden und ein unterstützendes Netzwerk zu schaffen. Niels Jösting: „Je offener und transparenter man so einen Prozess steuert, desto einfacher wird das Sammeln der Daten.“ Grundsätzlich gilt auch, dass Rückendeckung von oben den Prozess vereinfacht. Niels Jösting: „Es hilft sehr, wenn das von oben kommt.“

Fazit

  • Bildungsmonitoring ist kommunal individuell: Jede Stadt hat „ihre“ Fragestellung.
  • Annäherung, Diskussion und Abstimmung sind mühsam, aber wirkungsvoll: Sie helfen, diese spezifische Fragestellung zu finden und ein unterstützendes Netzwerk zu schaffen. Sowohl Politik als auch Verwaltung können Impulsgeber sein. Im Idealfall kommen Impulse für das kommunale Bildungsmonitoring aus der Politik, aber auch häufig von den Fachreferenten der Verwaltung. Diese stehen dann vor der Aufgabe, Politik vom Mehrwert des Monitorings für die Kommune zu überzeugen.
  • Rückendeckung durch die politische Spitze vereinfacht den Prozess.
  • Externe Unterstützung und/oder Moderation kann den Prozess ebenfalls unterstützen und Impulse setzen.

Schritt 2

Ressourcen und Nachhaltigkeit sichern