"Kommunales Bildungsmanagement und -monitoring"

Auftakt beider Fachgruppen im Großstadtnetzwerk

Art:

Ort:
Munich Meeting
Landwehrstrasse 61
80336 München
Datum:
Donnerstag, 12. November 2015 - 13:00 bis Freitag, 13. November 2015 - 13:00
Kontakt:

Kommunen stehen mehr denn je im Mittelpunkt der bildungspolitischen Diskussion. Ausgehend von einem Bildungsbegriff, der Lernen entlang der Lebensbiografie versteht, sind Kommunen zunehmend gefordert, unterschiedliche Akteure einzubinden und Zuständigkeitsbereiche zu verknüpfen. Bildung wird damit zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Kommunalverwaltung, Politik und Zivilgesellschaft, für die es neuer Arbeitsstrukturen bedarf. Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring bieten eine Grundlage, um Qualität und Wirkung der Bildungsangebote zu steigern sowie Ressourcen bedarfsorientiert und effizient einzusetzen.

In München trafen sich erstmals rund 20 Vertreterinnen und Vertreter aus 13 bundesdeutschen Großstädten und einigen Berliner Bezirken, um sich über ihre Themen im Bereich Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring auszutauschen. Kollegial-konstruktiver Austausch und fachlicher Input in einer vertrauensvollen Atmosphäre zu ermöglichen – das ist die Idee des Großstadtnetzwerks der Transferagenturen.

Tag 1

Einführende Worte sprach der Münchner Stadtschulrat Rainer Schweppe, Leiter des Referats für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München. Seine Botschaft war eine Ermutigung, allen strukturellen Herausforderungen zum Trotz: „Die Zukunft von Bildung in Deutschland liegt auf der kommunalen Ebene.“

Vortrag „10 Jahre datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement“

Wolfgang Brehmer vom Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München ging in seinem Vortrag auf die Bedingungen von Strukturentwicklungs- und Steuerungsfragen in München ein.

Seine Kernpunkte:

  • Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg als Leitideen: Es ist essenziell, sich immer wieder auf Sinn und Zweck aller Koordinierungsfragen zu besinnen: Kindern und Jugendlichen entlang des Lebenslaufs die bestmögliche individuelle Förderung zu ermöglichen. „Das ist es ja, worum es uns allen geht“, so Brehmer.
     
  • Die Münchner Besonderheit: Mit der „Leitlinie Bildung“ ist das Thema auf allerhöchster Ebene verankert. Es gibt in München ein hohes Commitment in Sachen Bildung, über alle relevanten Ebenen hinweg: Beschlüsse werden generell einstimmig und parteiübergreifend verabschiedet. „Kooperation ist auf dem Feld der Bildung das Erfolgsrezept schlechthin.“
     
  • Bildungsmanagement ist keine Abfolge kurzer Projekte, sondern braucht langfristige und nachhaltige Planung. So hat München trotz angespannter Haushaltslage daran festgehalten, Bildung als Zukunftsthema zu platzieren und mit den entsprechenden finanziellen Ressourcen zu unterlegen.

Den Vortrag gibt es am Ende der Seite als Download.

"Dicke Bretter kann man nur gemeinsam bohren."

Das Interview mit Wolfgang Brehmer lesen Sie hier.

Vorstellung des Münchner Modells „Nicht mit der Gießkanne – Bedarfsorientierte Ressourcensteuerung im Bildungsbereich“

An diese Überlegungen schlossen sich Anita Henselmann und Wolfgang Krug, ebenfalls aus dem Referat für Bildung und Sport, mit konkreten Beispielen an. In ihrer Präsentation  stellten sie das Münchner Modell der bedarfsorientierten Budgetierung von Bildungseinrichtungen vor.

  • Grundsätzlich: Das Bildungsmonitoring in München hat sich in bestehende Planungen eingefügt und ergänzt diese um eine Gesamtdarstellung des Bildungswesens.
     
  • Der Münchner Sozialindex ist an den Züricher Sozialindex angelehnt und greift damit auf vorhandenes Wissen zurück. Passend für den Münchner Bedarf wurde dieser mit der Münchner Förderformel für Kindertageseinrichtungen und der Bedarfsorientierten Budgetierung für weiterführende Schulen (BOB-Sozialindex) weiterentwickelt.
     
  • Beide Instrumente wurden gemeinsam mit allen relevanten Akteuren (weiter-)entwickelt (u.a. durch die Implementierung der Begleitkommission „Münchner Förderformel“). Die Verteilung der Mittel basiert auf transparenten Kriterien.
     
  • Die Stadt München stellt hierfür zusätzliche Mittel bereit, die Implementierung ohne diese Ressourcen wäre den Referenten zufolge schwieriger gewesen, aber dennoch möglich, da es eigentlich um eine Grundentscheidung geht, was eine Kommune in Bildungsfragen wissen und erreichen will.

Im Anschluss an die Vorträge nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zum Gespräch mit den Referenten.

Fragen und Erfahrungen in Sachen Aufbau von kommunalem Bildungsmanagement hatten hier Platz; eigene Vorgehensweisen wurden reflektiert. An dieser Stelle wurden zwei Dinge deutlich: Die Ausgangslagen der Kommunen und die jeweiligen anstehenden Entwicklungsschritte von Kommune zu Kommune variieren und jede Kommune muss ihre eigene Lösung finden. Aber: Es gibt auch viele Parallelen, was die Herausforderungen in der Kommune betreffen – seien es Themen der ämter- oder dezernatübergreifenden Zusammenarbeit, die Kooperation zwischen Kommune/Bezirk und Landesregierung, Ressourcenfragen oder auch die Frage nach der Prioritätensetzung von Bildung und Bildungsmanagement in Kommunalpolitik und -verwaltung.

Kamingespräch mit Experten aus der Praxis

Nach der Diskussion machte sich die Gruppe auf zum Kinderhaus St. Rupert im Münchner Westend, um sich vor Ort über die Wirkungen der Münchner Förderformel und der bedarfsorientierten Budgetierung zu informieren. Im Kamingespräch berichteten Peggy Tschung, pädagogische Leitung des Kinderhauses, und Wolfgang Fladerer, Schulleiter des Lion-Feuchtwanger Gymnasiums von ihren Erfahrungen. Beide Einrichtungen weisen hohe bzw. die höchsten Werte nach Standortfaktor (Förderformel) respektive BOB-Sozialindex auf. Ergänzt wurde die Runde durch die Perspektive von Wolfgang Brehmer.

Im Fokus des Kamingespräches stand die Frage: Was verändert sich durch bedarfsorientierte Ressourcensteuerung?

  • Das Wissen um die soziale Lage von Kindern und Jugendlichen mit konkretem Raumbezug ermöglicht es, Ressourcen punktgenau dahin zu geben, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
  • Eine Verbindung der Bildungseinrichtungen mit dem Sozialindex wird nicht als stigmatisierend empfunden, eher im Gegenteil: Einrichtungen können so gezielter arbeiten, Erfolge zeigen und ihren Ruf verbessern.
  • Erste kleine Erfolge sind bereits sichtbar: Sprachkenntnisse bei Schülerinnen und Schülern verbessern sich, es gibt einen geringeren Krankenstand bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Übergang ins nächste System gelingt besser.


Tag 2

Die Fachgruppen Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring zogen sich zum fachlichen Austausch zurück, um an den jeweiligen kommunalen Fragestellungen und Vorhaben zu arbeiten.
Nach Fachgruppen getrennt stellten die Teilnehmenden in einer ausführlichen Vorstellungsrunde ihre jeweiligen Themen und Herausforderungen im Bildungsmonitoring bzw. Bildungsmanagement vor. Anhand der Methode der „Kollegialen Fallberatung“ wurde anschließend ein Anliegen ausgewählt, um es vertieft zu diskutieren und nächste Schritte sowie Lösungswege zu beraten.

Fachgruppe Bildungsmanagement

Fazit: Um gutes Bildungsmanagement zu machen, müssen Struktur und Prozesse zusammengedacht werden. Bildungsmanagement muss sich bemerkbar und verständlich machen.

  • Grundlegende Herausforderung: Bildungsmanagement ist – anders als z.B. Jugendhilfe – keine kommunale Pflichtaufgabe. Es gibt für diese komplexe Aufgabe in der Kommunalverwaltung keine gesetzlich geregelten Vorgaben und Verfahren. Stattdessen müssen diese sukzessive aufgebaut werden. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, welchen strategischen Stellenwert die Kommune dem Thema Bildung beimisst und dementsprechend welche Prioritäten gesetzt werden.
     
  • Erfahrung: Mit „Strukturlösungen“ allein ist es nicht getan. Eine Bedingung ist zwar, Bildungsmanagement organisatorisch in der Verwaltung anzusiedeln und Steuerungsgremien zu schaffen. Ohne die entsprechenden Beteiligungsprozesse bleiben diese Strukturen jedoch inhaltsleer und erfüllen keine Funktion: Alle relevanten Akteure einzubinden und zu beteiligen ist daher eine zweite Gelingensbedingung. Dabei müssen die Akteure einerseits abwägen, welche Akteure zu beteiligen sind – in der Kommunalverwaltung sind dies klassischerweise Ämter mit Bildungsbezug wie Jugend, Soziales, Kultur etc. Anderseits ist Beteiligung auch aufwendig und es gilt daher festzulegen, welche Akteure in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt einbezogen werden sollten. In diesem Zusammenhang wurde auch hervorgehoben, dass auch die Politik einbezogen werden muss.
     
  • Einbinden und Beteiligen gilt nach innen wie nach außen: innerhalb der kommunalen Verwaltung über unterschiedliche Zuständigkeiten hinweg. Nach außen heißt das, die Politik mit einzubeziehen, sowie alle relevanten nicht-kommunalen Akteure.


Wie lässt sich das erreichen? Beispiele aus der Fachgruppe

  • Gemeinsame Entwicklung eines Leitbildes: In einem solchen Prozess werden die zentralen Ziele der Kommune mit Blick auf Bildung gemeinsam erarbeitet.
     
  • Ein gemeinsames Thema kann leitend sein, und grundlegend für eine Zusammenarbeit: z.B. Chancengerechtigkeit herstellen, Bildungsbenachteiligung reduzieren. Wichtig: Es gilt, die Akteure dort abzuholen, wo sie stehen – d.h. genau zu prüfen, wo es thematische Schnittstellen gibt.
     
  • Zentrale Herausforderung: Bildungsmanagement ist (noch) keine kommunale Selbstverständlichkeit – es ist daher wichtig, den Mehrwert einer zentralen Koordinierung für alle Beteiligten deutlich erkennbar zu machen.
     
  • Letzteres z.B. über den „Weg der kleinen Schritte“: einzelne Aktivitäten machen sichtbar, inwiefern kommunales Bildungsmanagement einen Service für die etablierten Akteure darstellen kann („Geben und Nehmen“). Andere Akteure (verwaltungsintern und -extern) können so leichter nachvollziehen, was Bildungsmanagement tut und wie es sich nutzen lässt.

Fachgruppe Bildungsmonitoring

Fazit: Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten und ähnliche Herausforderungen der Kommunen. Unterschiedlich sind die jeweiligen Ausgangslagen der Kommunen und die Verankerung des Bildungsmonitorings im Sinne einer kommunalen Gesamtstrategie. Von den Erfahrungen anderer zu profitieren, war allen Beteiligten ein großes Anliegen.

Im Wesentlichen lassen sich vier übergeordnete Themenfelder identifizieren, um die sich die Diskussion und der Erfahrungsaustausch drehten:

  • Zuständigkeitsübergreifendes Arbeiten über Ämter- und Dezernatgrenzen hinweg:
    Die (Weiter-)Entwicklung des kommunalen Bildungsmonitorings bedarf der Zusammenarbeit des Bildungsmonitorers mit anderen Ämtern bzw. Dezernaten, z. B. der Statistikstelle, der Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, der Stadtentwicklung und anderen. Herausforderung: „Reibungsverluste“ zwischen den Ämtern bzw. Dezernaten müssen zunächst abgebaut werden; die entsprechenden Steuerungs- und Arbeitsstrukturen sind in den teilnehmenden Kommunen und Bezirken bislang unterschiedlich ausgeprägt und ein gemeinsam getragenes Verständnis für die Bedeutung von Bildungsmonitoring ist noch nicht überall verankert.
     
  • Steuerungsrelevanz von Bildungsmonitoring:
    Deutlich wurde, dass das Bildungsmonitoring ein zentrales Element ist, um vor Ort eine Diskussion über das kommunale Bildungswesen führen zu können. Dazu gehört z.B. das Phänomen der Projektitis und intransparent verteilte Mittel für ähnliche Zwecke durch das Bildungsmonitoring offen zu legen mit dem Ziel, die Grundlage für eine passgenauere Ressourcensteuerung zu schaffen.

    Es zeigte sich: Von den Ergebnissen und Befunden des Bildungsmonitorings zu veränderter Steuerung zu gelangen, könnte noch besser gelingen, z.B. indem Kommunalpolitik besser eingebunden wird. Dabei stellt sich die Frage, wie eine zielgruppenspezifische Aufbereitung von Ergebnissen des Bildungsmonitorings aussehen sollte und welche Öffentlichkeitsarbeit es braucht.
     
  • Fachliche und technische Fragestellungen: In der Diskussion dieses dritten Aspekts ging es darum, wie man zu einem innerkommunal gemeinsam getragenen Indikatoren-Set gelangen kann, d. h. wer in welcher Form an dem jeweiligen Prozessschritt beteiligt werden sollte. Neben der zuvor erwähnten zuständigkeitsübergreifenden Zusammenarbeit geht es auch um technische Fragestellungen, z.B. welche Daten wo und in welcher Qualität und Aktualität vorliegen und wie man zu einer gemeinsamen Datenhaltung kommen kann.
     
  • Die Zusammenarbeit zwischen Kommunen bzw. Bezirken und der jeweiligen Landesregierung: Als Herausforderung wurde gesehen, dass es mancherorts einen Dissens zwischen Kommune und Landesregierung bei Fragen der Datenhoheit und -verfügbarkeit gibt. Bemängelt wurde auch die häufig mangelhafte Aktualität der Daten.

Diskutiert wurde auch:

  • die weitere Zusammenarbeit in der Fachgruppe:
    Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch, bei weiteren Treffen den Fokus stärker auf Prozesse zu legen und mehr Zeit für die Auseinandersetzung mit dem Beispiel der gastgebenden Kommune zu erhalten.

    Interesse an konkreten thematischen Vertiefungen wurde ebenfalls formuliert, z.B. die Diskussion und Beratung rund um konkrete Indikatoren(-Sets), das Abbilden non-formaler Bildung und sozialräumlich differenzierte Darstellungen sowie das Erstellen von Indizes. Ein weiterer Wunsch aus der Gruppe war, dass die Rückkoppelung der in der Fachgruppe erarbeiteten Ergebnisse mit denen der Fachgruppe Bildungsmanagement gesichert sein sollte.

Ausblick auf die nächste Fachgruppe

Das nächste Treffen der Fachgruppen „Kommunales Bildungsmanagement“ und „Kommunales Bildungsmonitoring“ in Mannheim wird sich dem Thema „Integrierte Planung“ widmen. Der genaue Termin ist derzeit in Abstimmung und wird bekannt gegeben unter www.transferagenturen-grossstaedte.de/veranstaltungen
 

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