„Kommunales Bildungsmanagement“ und „Kommunales Bildungsmonitoring“

Ankommenssituation vor einem Konferenzraum
Mehrwert einer integrierten Bildungsplanung – Kooperationsstrukturen ausbauen und kommunale Fachplanungen verzahnen

Art:

Ort:
Reinhardtstraßenhöfe
Reinhardtstraße 12-16
10117 Berlin
Datum:
Donnerstag, 6. Oktober 2016 - 12:00 bis Freitag, 7. Oktober 2016 - 14:00
Kontakt:

Das Großstadtnetzwerk ist das zentrale Forum für den Transfer von Erfahrungen, Wissen und Modellen guter Praxis für den Aufbau und die Weiterentwicklung eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements (DKBM) in den Kommunen. Anfang Oktober trafen sich Vertreterinnen und Vertreter deutscher Großstädte der Fachgruppen „Kommunales Bildungsmanagement“ und „Kommunales Bildungsmonitoring“ bereits zum dritten Mal, um das Thema „Mehrwert einer integrierten Bildungsplanung – Kooperationsstrukturen ausbauen und kommunale Fachplanungen verzahnen“ intensiv zu bearbeiten. Für viele Berliner Bezirke und weitere deutsche Großstädte ist die Verzahnung von Jugendhilfe und Schulentwicklung ein zentrales Einfallstor, um integrierte Planungsstrukturen aufzubauen – ausgehend von Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung. Neben einem Seitenblick auf die Erfahrungen und den Entwicklungsstand teilnehmender Kommunen, gab es die Gelegenheit für kollegiale Beratung und fachlichen Input.

Grußwort vom Gastgeberbezirk Mitte
Sabine Smentek, Bezirksstadträtin für Jugend, Schule, Sport und Facility Management

In Mitte kooperieren das Jugendamt, das Schul- und Sportamt sowie das Amt für Weiterbildung und Kultur seit Jahren erfolgreich beim Aufbau von Strukturen eines bezirklichen Bildungsmanagements.

Entsprechend wurde die Rahmenkonzeption zur Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe um den Fachbereich Kultur zum „Rahmenkonzept Bildung“ erweitert. Des Weiteren gibt es eine sehr gut arbeitende Koordinierungsstelle „Lokales Planen und Handeln“ (Organisationseinheit Sozialraumorientierte Planungskoordination), die für alle Bezirksregionen Profile erstellt hat. Diese sozialraumorientierten Profile beinhalten Themen wie Demografie, soziale Situation, soziale Infrastruktur und Gesundheit und sind eine wichtige Grundlage für Planungsprozesse im Bezirk. Auch der Bereich Bildung ist in ersten Ansätzen vertreten.

Die Koordinierungsstelle „Lokales Planen und Handeln“ wirkt auf eine ämterübergreifende Zusammenarbeit hin und bindet Bedarfe des Stadtteils, die z.B. in Stadtteilkonferenzen erarbeitet werden, in die Planungen und Maßnahmen auf Steuerungsebene ein. Eigens hierfür wurde die Arbeitsgruppe Sozialraumorientierung im Bezirksamt eingerichtet, in der alle Fachbereiche unter der Leitung der Koordinierungsstelle vertreten sind und somit ressortübergreifend arbeiten. Die Koordinierungsstelle bietet dadurch Politik, Verwaltung sowie Bewohnerinnen und Bewohnern eine zentrale Plattform für den Austausch über die Gestaltung ihrer Stadtteile. Auf lokaler Ebene verfügt der Bezirk über drei sehr gut aufgestellte Bildungsverbünde, die insbesondere zum Schwerpunkt kultureller Bildung arbeiten.
 

Impulsvortrag "Integrierte Bildungsplanung zwischen (normativem) Anspruch und Praxis: Wo liegen Chancen und Risiken? Und was brauchen Kommunen?"
Claudia Michelfeit, Institut für kommunale Planung und Entwicklung e.V. und stellvertretende Leiterin der Stabsstelle Strategische Sozialplanung im Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Anschließend eröffnete Claudia Michelfeit die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Sie ging der Frage nach, wo Chancen und Risiken einer integrierten Planung liegen. In ihrem Vortrag erläuterte Michelfeit das Spannungsfeld zwischen dem normativen Anspruch und der aktuellen Praxis.

"Wichtig ist, von Anfang an Transparenz herzustellen und Beteiligung ernst zu meinen." – Das Interview mit Claudia Michelfeit lesen Sie hier.

Die Perspektive der Länder:
„Quo vadis“ Kooperationsstruktur Schule – Jugendhilfe?

Marina Hennersdorf, Stellv. Abteilungsleiterin Bildung, Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Wissenschaft Berlin
Andreas Hilke, Referatsleiter Jugend, Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Wissenschaft Berlin
Dr. Jochen Lang, Abteilungsleiter Stadtentwicklung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin
Sören Bott, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin
Dr. Kerstin Petersen, Koordinierungsstelle Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Freie und Hansestadt Hamburg
Dr. Angela Ehlers, Referatsleitung Inklusion – Gestaltung und Konzeption, Behörde für Schule und Berufsbildung, Freie und Hansestadt Hamburg

Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg haben sich vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, die Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe anzugehen, sie zu verbessern, zu fördern und auszubauen. Hierzu wurde in Berlin eine Rahmenkonzeption, in Hamburg eine Rahmenvereinbarung geschlossen. Im Podiumsgespräch haben die Beteiligten darüber berichtet, wie es zu diesen Vereinbarungen kam und was man sich davon versprochen hat: Um einen solch komplexen Prozess zu planen und durchzuführen, braucht es neben ressortübergreifender Abtimmungen auch eine Haltung, wonach die Begegnung der Ressorts auf Augenhöhe erfolgen kann. Wenn Bildung ganzheitlich verstanden und der Begriff weit gefasst wird, wird deutlich, dass es komplexe Aufgaben gibt, die kein Akteur in seiner Zuständigkeit alleine lösen kann. Eine Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen und insbesondere der jungen Menschen macht hier deutlich, dass Schule und Jugendhilfe miteinander kooperieren müssen. Es geht nicht mehr um die Frage, ob Kooperation gewünscht und notwendig ist, sondern vielmehr darum, wie sie sich so organisieren und gestalten lässt, dass die Akteure vor Ort davon profitieren. Die Abstimmung bzw. Integration beider Planungsansätze ist ein wesentlicher Ansatzpunkt.

Blick aus der Praxis I:
Ansätze integrierter Planung in drei Berliner Bezirken (Arbeitsphase)

In der ersten Arbeitsphase stellten Vertreterinnen und Vertreter aus den Berliner Bezirken Lichtenberg, Tempelhof-Schöneberg und Spandau anhand von Strukturmodellen ihre Ansätze integrierter Planung vor. Auf die kurze Vorstellung folgte eine kollegiale Beratung.

Bezirk Lichtenberg von Berlin
Kai-Uwe Heymann, Leitung OE Sozialraumorientierte Planungskoordination
Martina Roth, SenBildJugWiss, Außenstelle Lichtenberg

Katharina Vetter, SPI-Koordinatorin

Im Bezirk wurde die Kooperation Schule-Jugendhilfe im Jahr 2016 um die Organisationseinheit der sozialraumorientierten Planungskoordination erweitert und zur „Bildungskooperation in Lichtenberg“ fortgeschrieben. Die bezirklichen Akteure haben sich darauf verständigt, in gemeinsamer Verantwortung für Bildung und Erziehung ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen zu bündeln, um eine effektive Zusammenarbeit im Interesse aller Kinder- und Jugendlichen zu erzielen.

Sie entwickeln die bezirkliche Steuerungs-, Beteiligungs- und Kommunikationsstruktur weiter und streben eine gemeinsam abgestimmte Bildungsplanung an, um verschiedene Ansätze zusammenzubringen und vorausplanen zu können anstatt wie bisher eher nur reagieren zu können. Handlungsdruck, der beispielsweise aufgrund der hohen Zuzugszahlen nach Berlin im Bereich der Schulplätze entsteht, kann dabei eine Art Katalysator für die Zusammenarbeit sein. „Der Druck zwingt alle, sich an einen Tisch zu setzen“, so Heymann.

Bezirk Tempelhof-Schöneberg von Berlin
Beate Mannkopf, stellv. Leitung Jugendamt
Dr. Sina Bärwolff, Leitung Gesundheitsamt
Steffen Künzel, Schulentwicklungsplanung
Dr. Andrea Nieszery, SPI-Koordinatorin

Dort ist es gelungen die Amtsleitungen des Gesundheitsamtes, des Schulamtes, die Fachplanungen der Schulentwicklung und Jugendhilfe wie auch die bezirkliche Datenkoordination verlässlich in die Kooperation Schule-Jugendhilfe einzubinden.

Nach einem kurzen Interview mit vier Bezirksvertreterinnen und -vertretern aus den Bereichen Schulplanung, Gesundheitsamt, Jugendamt sowie der SPI-Koordinatorin zu dem Thema Strukturen des kommunalen Bildungsmanagements im Bezirk, wurde folgende Entwicklungsfrage des Bezirks beraten: "Strategische Bildungsziele für den Bezirk: Wie kann man sie abstimmen und absichern?“ 


Im Ergebnis der Arbeitsphase gab es viel Anerkennung für die bereits vorhandenen Strukturen  sowohl auf Steuerungsebene als auch auf operativer Ebene – und das starke Plädoyer der Teilnehmenden, diese Strukturen für die weitere Zielerarbeitung im Bezirk zu nutzen. Als Verfahren wurde eine Kombination aus Bottom-Up-und Top-Down Prozessen für gut befunden, da es schon Ergebnisse aus den regelmäßig stattfindende Bildungskonferenzen in den Bezirksregionen gibt. Zudem gib es auch strategische Ziele, die sich aus dem Rahmenkonzept Schule-Jugendhilfe ableiten lassen. Angeregt wurde darüber hinaus weiterhin zu schärfen, wie bestehende strategische Ziele in der Praxis umgesetzt werden.

Bezirk Spandau von Berlin
Fabian Albert, Leitung Amt für Weiterbildung und Kultur
Florian Förster, SPI-Koordination

In Spandau ist die Kooperation Schule-Jugendhilfe um das Gesundheitsamt, die Stadtplanung und um das Amt für Weiterbildung und Kultur erweitert worden. Mit der Implementierung eines Projektmanagements ist es dem Bezirk zudem gelungen, Arbeitsaufträge verlässlich zwischen strategischer und operativer Ebene umzusetzen. Ergänzt wird die Struktur um eine von der Stadtentwicklung ausgehenden AG, in der bezirksweit eine ressortübergreifende Planung und Ressourcenvergabe realisiert wird. Im Workshop wurde kollegial beraten, wie die verschiedenen Programme – wie etwa die Kommunale Koordinierung für Neuzugewanderte oder das Berliner Landesprogramm „Lokale Bildungsverbünde nachhaltig stärken und sichern“ – gut in die bestehenden Strukturen eingebunden werden können.

Blick aus der Praxis II:
Wo stehen wir bei der integrierten Planung – wo wollen wir hin?

Am zweiten Tag kamen die Teilnehmenden erneut im Plenum zusammen. Dort erläuterten die Städte Düsseldorf, Frankfurt am Main und der Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg entlang der Fragen „Wo stehen wir und wo wollen wir hin?“ den Stand ihrer Planung.

Düsseldorf: Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung aus Sicht der Jugendhilfe
Thomas Klein, Jugendhilfeplanung, Landeshauptstadt Düsseldorf
Rolf Kessler, Regionales Bildungsbüro, Landeshauptstadt Düsseldorf


Thomas Klein und Rolf Kessler zeigten den 2008 gestarteten Weg der integrierten Planung von Jugend- und Schulentwicklungsplanung in Düsseldorf auf. Ihr Arbeitsauftrag lautete, einen gemeinsamen Planungsbericht zu veröffentlichen. Dieser Bericht führte sich in der Phase 2010 bis 2015 nicht nur fort, sondern schloss das Ressort Gesundheit mit ein.
 

Frankfurt: Integrierte Bildungsplanung aus Sicht der Schulentwicklungsplanung
Monika Ripperger, Leiterin Stabsstelle Pädagogische Grundsatzplanung im Stadtschulamt der Stadt Frankfurt am Main

„Frankfurt macht Schule“ heißt der Beteiligungsprozess, den die Stadt Frankfurt am Main seit 2014 durchläuft. Ausgehend von einem vorangehenden Monitoring zu bildungsrelevanten Themen, wurde mithilfe von Kooperation und Beteiligung ein integrierter Schulentwicklungsplan entwickelt und angestoßen.
 

Berlin: Integrierte Planung aus Sicht der sozialraumorientierten Planungskoordination
Ulrich Binner, Datenkoordinator Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin

Eine sozialraumorientierte Jugendhilfeplanung sowie ausführliches Monitoring der sozialen Stadtentwicklung sind, wie das Programm bereits ankündigte, gute Voraussetzungen für integrierte (Bildungs-)Planung. Ulrich Binner stellte im letzten Impuls des Tages den Aufbau der Sozialraumorientierung des Bezirks Tempelhof-Schöneberg vor.

Danach trafen sich alle Städtevertreterinnen und -vertreter in zwei Arbeitsgruppen, um ausgewählte Fragestellungen zu vertiefen.

In der ersten Arbeitsgruppe „Bildungsmonitoring“ reflektierten die Teilnehmenden die Arbeit ihrer Kommune entlang der Dimensionen strategische Ziele, Datenbasierung sowie interne Kooperation und gingen der Frage nach, was relevante Indikatoren und Kennzahlen für eine integrierte Bildungsplanung sein könnten. Um Lebenslagen gut zu beschreiben braucht es insbesondere die Verbindung von Bildungsdaten mit Gesundheitsdaten und die Einbindung der Daten zur Bevölkerungsstruktur – sowohl auf den Ist-Stand als auch auf Prognosen bezogen. Die Gliederung der Räume entscheidet dabei über die Qualität des Monitorings und sollte verlässlich für eine integrierte Planung sein. Für den Erfolg des Monitorings ist es weiterhin gewinnbringend, Allianzen zu schmieden. Ein Weg ist es, das eigene Know-how anderen Ämtern und Fachplanungen zur Verfügung zu stellen und dadurch den Mehrwert der integrierten Planung sichtbar zu machen. Zugleich kann es darüber gelingen als interessanter Partner wahrgenommen zu werden.

Bei der zweiten Arbeitsgruppe „Bildungsmanagement“ lag der Fokus auf Strategien, Prozessen und Strukturen integrierter Planung. Hier gab es zum einen interessante Diskussionen über das Für und Wider von Leitbildern: Sind sie nützlich oder lediglich zeit- bzw. energieintensiv? Andererseits existiere ggf. ohne Leitbilder bzw. Ziele keine Ausrichtung von Bemühungen, sodass das Risiko besteht, dass Handeln orientierungslos wird. Für jeden Beteiligungsprozess müssen dabei Dimension bzw. Umfang und Zweck bzw. Ziel deutlich sein. Daran schloss die Frage an: Wie übersetze ich übergeordnete Ziele in meine Arbeit?
 

Das 4. Treffen im Großstadtnetzwerk der Fachgruppen "Kommunales Bildungsmanagement" und "Kommunales Bildungsmonitoring" wird aller Voraussicht nach in der 17. Kalenderwoche 2017 in Bielefeld stattfinden. Weitere Informationen dazu wird es rechtzeitig geben.

Ansprechperson
Sabine Smentek, Bezirksstadträtin für Jugend, Schule, Sport und Facility Management begrüßt die Teilnehmenden.
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Markus Lindner, Dr. Kerstin Petersen, Sören Bott, Dr. Angela Ehlers, Marina Hennersdorf, Andreas Hilke und Dr. Stefanie Hildebrandt im Ländergespräch.
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Dr. Kerstin Petersen, Koordinierungsstelle Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Freie und Hansestadt Hamburg.
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Marina Hennersdorf, Stellv. Abteilungsleiterin Bildung, Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Wissenschaft Berlin.
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Dr. Angela Ehlers, Referatsleitung Inklusion – Gestaltung und Konzeption, Behörde für Schule und Berufsbildung, Freie und Hansestadt Hamburg.
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Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg stellt sein Strukturmodell vor.
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Auch der Bezirk Spandau stellt sein Sturkturmodell vor.
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Das Spandauer Strukturmodell wird besprochen.
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