Blackbox Bildungskonferenz? Bildungslandschaften zielorientiert und transparent gestalten

Großstadtnetzwerk der Transferagentur für Großstädte

Art:

Ort:
DJH Jugendherberge Düsseldorf
Düsseldorfer Str. 1
40545 Düsseldorf
Datum:
Dienstag, 11. Dezember 2018 - 13:00 bis Mittwoch, 12. Dezember 2018 - 14:00

Dienstag, 11. Dezember 2018

Grußwort der Landeshauptstadt Düsseldorf

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hieß die Teilnehmenden aus elf Großstädten willkommen.

Einführung - Wieso, weshalb, warum? Die Blackbox Bildungskonferenz

Kathrin Flaspöler, Transferagentur für Großstädte

Bildungskonferenzen sind bundesweit ein erprobtes Instrument des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements (DKBM), wenn es darum geht, diverse Bildungsakteure zu beteiligen. Bei der Konzeption und Durchführung einer Bildungskonferenz stellen sich stets grundlegende Fragen: Was kann die Bildungskonferenz leisten bzw. welche Funktion kann sie erfüllen, die innerhalb der Bildungslandschaft noch nicht abgedeckt ist? Welche Akteure brauche ich und wie können diese Personen beteiligt werden? Wie kann die Bildungskonferenz innerhalb der existierenden Strukturen und Prozesse so ausgestaltet werden, dass sie einen Mehrwert für die Bildungslandschaft in der Kommune leistet? Die Bildungskonferenz als flächendeckende Lösung für alle Kommunen existiert nicht. Ihre Ausgestaltung leitet sich immer von der kommunalen Ausgangslage ab und von der Fragestellung, was mit dem Instrument erreicht werden soll.
 
Bundesweit gesehen lassen sich folgende Funktionen von Bildungskonferenzen ableiten: 
  • Information/Öffentliches Diskussionsformat: Austausch zu (aktuellen und) wichtigen Entwicklungen im Bildungsbereich in der Kommune (Analysen, Berichte, Themen, Projekte, Planungen)
  • Koordination/Vernetzung: Vernetzung und Abstimmung zwischen den verschiedenen Bildungsanbietern in einer Stadt
  • Identität der Bildungslandschaft: Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von Bildung und sich davon ableitenden Bildungsfragen sowie Stärkung des Zusammenhalts
  • Empfehlung/Beratung (von Politik und Verwaltung): Empfehlungen an Politik und Verwaltung formulieren bzw. sich Rückmeldung holen
  • Entscheidungen (mit-)treffen/Schwerpunkte setzen): Abstimmung von Strategien und Vorbereitung von politischen Entscheidungen sowie Verabschiedung von Empfehlungen
 

Kennenlernen und Herausforderungen

Austauschphase

In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden die Funktion, Themen und aktuellen Herausforderungen ihrer jeweiligen Bildungskonferenz. Folgende Herausforderungen wurden im Plenum zusammengetragen:

 

Aus der Praxis I | Die Weiterentwicklung der Düsseldorfer Bildungskonferenz

Kornelia Kronenberg und Rolf Kessler, Bildungsbüro der Landeshauptstadt Düsseldorf, stellten die Weiterentwicklung der Düsseldorfer Bildungskonferenz vor.

In Düsseldorf fand nach der Gründung der Bildungsregion Stadt Düsseldorf im Jahre 2009 die erste Bildungskonferenz im Jahr 2010 mit etwa 180 Personen statt. Die Anzahl der Teilnehmenden erwies sich als nicht zielführend und man wählte in Anlehnung an den Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Land etwa 50 Personen für künftige Bildungskonferenzen aus. Später zeigte sich, dass Aufwand und Ergebnis in einem ungünstigen Verhältnis zueinanderstanden, die Themen der Bildungskonferenz sich eher zufällig ergaben und die gewünschte Anbindung an Fachgremien verbessert werden müsste. Für die Weiterentwicklung der Düsseldorfer Bildungskonferenz zogen die Verantwortlichen der Stadt Düsseldorf die Transferagentur für Großstädte hinzu.

Innerhalb des Entwicklungsprozesses der Bildungskonferenz wurden Funktionen und Formate der Veranstaltung geschärft: Die Hauptfunktion liegt nunmehr vor allem in der Vernetzung der Bildungsakteure im Rahmen von Fachveranstaltungen zu zentralen bildungsrelevanten Themen in der Stadt. Daher wurde die Zusammensetzung der Teilnehmenden an der Bildungskonferenz angepasst und weitere zivilgesellschaftliche Akteure sowie Vertreterinnen und Vertreter politischer Gremien zur Bildungskonferenz hinzugezogen, um die Bandbreite der Düsseldorfer Bildungsakteure abzubilden.

Darüber hinaus erfüllt die Düsseldorfer Bildungskonferenz im Verhältnis zu den bestehenden Gremien und Ausschüssen eine Beratungsfunktion. Die Teilnehmenden der Bildungskonferenz agieren als Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Gremien und sind somit fachlich und strukturell eng angebunden. Themen und Vorschläge werden über die Vertreterinnen und Vertreter aus den Fachgremien eingebracht oder vorbereitet. Darüber hinaus werden die Empfehlungen, die innerhalb der Bildungskonferenz entwickelt werden, durch die Vertreterinnen und Vertreter auch wieder in bestehende Fachgremien weitergetragen und beraten. Der Lenkungskreis, bestehend aus Amtsleitungen, politischen Vertreterinnen und Vertreter sowie der Bezirksregierung, bereitet die Düsseldorfer Bildungskonferenz vor und nach und tagt alle sechs Wochen. So ist eine politische Anbindung gesichert. Dieses Modell schafft Vertrauen, Kontinuität und Offenheit.

Pro Jahr sind zwei Bildungskonferenzen vorgesehen. Die dritte Bildungskonferenz wird eine erweiterte Bildungskonferenz als Tag der Bildung der Bildungsregion LHS Düsseldorf sein – ein offenes großes Format für alle Menschen vor Ort, – das als Premiere im September 2019 zum Thema digitale Bildung geplant ist.

Im Grunde ist die Bildungskonferenz ein großes Partizipationsfeld, an dem viele Akteure beteiligt sind. Nur zu informieren wäre zu wenig, dann könnte man auch einen Newsletter machen, meine ich.

Rolf Kessler, Bildungsbüro Düsseldorf

Aus der Praxis II | Die Regionalen Bildungskonferenzen Hamburg – Rückblick und Status Quo

Maike Rütten, Bildungskoordinatorin Bezirk Hamburg-Bergedorf und Dr. Hans-Peter de Lorent, Abteilungsleiter a. D., Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg gaben in einem Gespräch einen Einblick in die Regionalen Bildungskonferenzen Hamburg.

Vorgeschichte
 
Ausgehend von der Schulentwicklungsplanung der Freien und Hansestadt Hamburg entstanden die Regionalen Bildungskonferenzen. Nach der Primarschule sollten zwei Schulformen etabliert werden: die Gymnasien (bis Klasse 12 zum Abitur) und die Stadtteilschulen (bis Klasse 13 zum Abitur). Um diese Strukturveränderung zu bewältigen, musste eine gute Kommunikationsstrategie mit den Bildungsakteuren etabliert werden. Die Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg teilte die Stadt in 21 Regionen auf, organisierte Veranstaltungen und stellte dazu die Daten, die der Behörde für Schule und Berufsbildung zu der Situation vor Ort vorlagen, zur Verfügung. Diese konnten die Akteure vor Ort in den Veranstaltungen sichten und diskutieren. Danach hatten sie sieben Monate Zeit, um Empfehlungen abzugeben, wie das Bildungsangebot demnach aussehen sollte.
86% der Empfehlungen aus den Regionalen Schulkonferenzen konnte die Behörde übernehmen. Bei den anderen 14% kam es in Einzelfällen auch zur Adaption durch Behörde. Der Prozess hatte gezeigt, dass die starke Regionen-Orientierung sich ausgezahlt hatte, da die Akteure vor Ort die spezifischen Bedarfe gut einschätzen können. Es wurde beschlossen, langfristig auf diese Struktur und die Einbeziehung der Regionen zurückzugreifen und diese im Schulgesetz der Freien und Hansestadt Hamburg festzuschreiben.
 
Entstehung der RBK in Hamburg
 
In den sieben Bezirken der Stadt mit je ca. 130.000 bis 435.000 Einwohnerinnen und Einwohner sollte langfristig eine Struktur geschaffen werden, die ein Zusammenarbeiten der Schul- und Jugendhilfestruktur ermöglicht. Gerade an Themen wie Ganztag und Inklusion wurde die Notwendigkeit einer besseren Zusammenarbeit deutlich. 
Dazu wurde jeweils für jeden Bezirk die folgende Struktur entwickelt: 
eine große bezirklich ausgerichtete regionale Bildungskonferenz (RBK), die eher Delegiertenstatus hat (ähnlich wie in Düsseldorf) sowie
lokale Bildungskonferenzen mit Akteuren vor Ort (LBK), die Empfehlungen entwickeln, die sie mit der Garantie auf eine Rückmeldung an die jeweilige Behörde abgeben können.
Eine Lenkungsgruppe auf Landesebene aus Bezirksbürgermeisterinnen und -bürgermeister, Amtsleitungen sowie Stiftungen und Vertretungen anderer Behörden gaben Themenvorschläge in die Bildungskonferenzen und begleiteten die Weiterentwicklung der Regionalen Bildungskonferenzen (RBK). Hinsichtlich der Personalausstattung der RBK gibt es pro Bezirk einen hauptamtlichen Koordinator oder Koordinatorin sowie Assistenzen, teilweise gibt es weitere „ehrenamtliche“ Koordinatorinnen oder Koordinatoren, zum Beispiel Schulleitungen. 
 

Der Prozess funktioniert nur, wenn man Paten hat, die etwas zu sagen haben. Man braucht den politischen Support. Daran muss man auch arbeiten. Dafür sind auch die Lenkungsgruppen wichtig.

Dr. Hans-Peter de Lorent, Abteilungsleiter a. D., Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg

Status Quo – Bericht aus einem Bezirk Hamburg Bergedorf

In der Regel gab es in Bergedorf in den vergangenen Jahren zwei bezirkliche Bildungskonferenzen jährlich mit ca. 80-100 Teilnehmenden. Die bezirkliche Steuerungsgruppe bündelt, koordiniert und berät die RBK im Bezirk. In Bergedorf werden in einer Arbeitsgruppe, der sogenannten Denk-AG, mit Akteuren aus dem Stadtteil, Themen für die RBK qualifiziert und so sichergestellt, dass die Themen eine hohe Relevanz für den Bezirk haben. Traumasensible Arbeit mit Geflüchteten oder kultursensible Elternkooperation waren unter anderem Themen der letzten regionalen Bildungskonferenzen. Anlässlich eines RBK-Jubiläums wurde 2018 an der Vision, Struktur und Themen der RBK gearbeitet. Überraschend an der Auswertung war, dass die vor fünf Jahren entwickelten Visionen und Ziele nach wie vor aktuell sind. Als Beispiele führte Maike Rütten den Paradigmenwechsel „von der Zuständigkeit zur gemeinsamen Verantwortung“ oder „kein Kind geht verloren“ an. Die Teilnehmenden wünschen sich darüber hinaus eine stärkere Ergebnisorientierung, die auf lokaler Ebene in Form von Produktentwicklung erfüllt werden kann. Dazu braucht es auch kleinere Gremien, wo die tatsächliche Arbeit an den Themen erfolgen kann. Auch Kinder und Jugendliche sollen in den RBK stärker beteiligt werden.

Auf lokaler Ebene soll im Rahmen der lokalen Bildungskonferenz (LBK) eine Bildungslandschaft in einem Stadtteil entwickelt werden. Die Schulen vor Ort wollen enger mit den lokalen Akteuren aus dem Stadtteil zusammenarbeiten, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Daher wurde ein lokaler Prozess gestartet, um zunächst die Ausgangsituation zu analysieren: Wer arbeitet wo? Wer erlebt welche Zielgruppen wie? Daraus werden gemeinsam mit allen Akteuren Ziele für die Bildungslandschaft entwickelt. Im nächsten Schritt wird dann überlegt, wie man von den Zielen zu den Handlungsstrategien kommen kann. Diese LBK könnte bei Erfolg Modellcharakter haben und auf weitere Stadtteile übertragen werden.

Der Mehrwert muss immer wieder nachgewiesen werden. Einmal eine Struktur zu etablieren reicht nicht. Wenn es kein Thema gibt, keine Leidenschaft gibt, keine Auseinandersetzung mehr gibt, dann geht man da nicht mehr hin.

Dr. Hans-Peter de Lorent, Abteilungsleiter a. D., Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg
Mittwoch, 12. Dezember 2018

Die Zielgruppen im Fokus | Kreative Experimente mit Design Thinking

Andrea Blome, Moderatorin, Journalistin und Beraterin

Um die Bildungskonferenz so zu gestalten, dass sie einen Mehrwert für alle Beteiligten hat, plädiert die Referentin Andrea Blome dafür, ausgehend von Zielgruppe zu denken und einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Hierzu bietet sich vor allem die Methode des Design Thinking an:

Design Thinking ist eine Innovationsmethode, die ihren Ursprung in den USA hat. „Denken wie Designer“, das bedeutet im Sinne des Design Thinking, konsequent zielgruppen- und nutzerorientiert zu denken, Emotionen anzusprechen und kreative Lösungen zu suchen. Design Thinking hat sich als Innovationsmethode bereits in vielen Kontexten bewährt. Große Unternehmen arbeiten in Strategie- und Kommunikationsprozessen zunehmend mit Elementen aus dem Design Thinking. Methoden des Design Thinking ermöglichen:

  • die Perspektive zu verändern,
  • quer zu denken,
  • die Zielgruppen genauer zu betrachten und besser zu verstehen sowie
  • das Problem anders zu betrachten.

In Kleingruppen entwickelten die Teilnehmenden anhand der vorher benannten wichtigsten Zielgruppen von Bildungskonferenzen Personas. Die Persona stellt einen Stellvertreter für eine Zielgruppe dar. Eine Visualisierung hilft dabei, die angenommene Zielgruppe und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen. Im Weiteren Verlauf des Vormittags wurde anhand der Personas das Format der Bildungskonferenz weiterbearbeitet und Ideen entwickelt.

„Ideen sind keine Lösungen“.

Im Design Thinking gibt es Problem-, Lösungs- und Ideenräume. Ein nächster Schritt wäre gewesen, den Lösungsraum zu betreten und die Ideen weiter zu konkretisieren: Wie könnten wir das konkret umsetzen? Welche Ressourcen brauchen wir? Welche Partner brauchen wir dafür? Wie können wir das strategisch angehen?

Die Diskussionen der Teilnehmenden über die zwei Tage hinweg zeigte, wie divers Bildungskonferenzen in den Kommunen ausgestaltet sind und genutzt werden. Daher lohnt es sich immer wieder Funktionen einer Bildungskonferenz zu schärfen und auch Inspiration aus anderen Kommunen zur Ausgestaltung und Themensetzung zu erhalten. Dr. Bettina Suthues und Johannes Schnurr von der Transferagentur Nordrhein-Westfalen halten dazu fest:

Vielleicht entspricht es auch nicht dem Wesen der Bildungskonferenz, dass ein für alle Male festgeschrieben ist, wie das Format sein muss. So scheint die Aushandlung der vielen Fragen Teil ihres Erfolgs zu sein. Sie fördern Identität, Koordination, Aufmerksamkeit, Beteiligung und Information bei den Mitwirkenden.

Dr. Bettina Suthues und Johannes Schnurr, TRANSFERjournal der Transferagentur NRW, S. 30/31

Weiterführende Links

Stadt Düsseldorf: Bildungskonferenz

Die Organisation der regionalen Bildungsarbeit bedarf einer gesicherten und verlässlichen Plattform, die regelmäßig tagt und Prozesse koordiniert und institutionalisiert. Unbeschadet der jeweiligen Zuständigkeit wird deshalb die Bildungskonferenz als konsensorientierte Organisation für alle Handlungsfelder eingesetzt.

Regionale Bildungskonferenzen in Hamburg

Regionale Bildungskonferenzen haben in ganz Hamburg ihre Arbeit aufgenommen und Foren gebildet, in denen möglichst flächendeckend Bildungseinrichtungen in den Stadteilen, Quartieren und Regionen ihre jeweiligen Angebote noch besser aufeinander abstimmen können. 

Ansprechperson