Räume für Bildung (2/2)

Dokumentation des Großstadtnetzwerks

Art:

Ort:
Online-
Veranstaltung
via Microsoft Teams
Datum: 
Dienstag, 14. Juni 2022 - 9:00 bis 13:30
Kontakt:

Innovativer Bildungsbau für neue pädagogische Ansprüche – Zusammenwirken, Beschleunigen, Beteiligen im DKBM 

 
Großstädte wachsen, Quartiere wachsen: Die Folge ist eine zunehmende Raumknappheit, verbunden mit hohen Ansprüchen an die Nutzung von Gebäuden im Bestand und von Freiflächen. Dies gilt nicht nur für Wohnraum, sondern auch für Bildungsräume jedweder Art. Denn mit der wachsenden Stadtbevölkerung wächst auch der Bedarf an qualitativ hochwertigen formalen, non-formalen und informellen Bildungsangeboten. Gleichzeitig verändern sich pädagogische Konzepte, sodass Gebäude, einzelne Räume und Außenflächen entsprechend ausgestattet oder umgebaut werden müssen - all das soll schnell und unter Beteiligung wichtiger Akteur:innen geschehen. Deshalb wird es immer dringlicher, alternative und neue kreative Konzepte und Strategien für Flächen, Raum und Nutzung aber auch das Zusammenwirken in Verwaltung zu etablieren - um gemeinsam Lernorten im Sinn des zukunftsorientierten Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen zu entwickeln.
 
Das Großstadtnetzwerk hat hierfür aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive Anregungen geliefert und einen Anlass geboten, sich mit anderen Kommunen auszutauschen. Im Folgenden finden Sie die Dokumentation. 
 

Aus der Wissenschaft

„Everything Everywhere All at Once?“ I Zum Zusammenspiel von pädagogischen und planerischen Perspektiven in aktuellen Schulbauprozessen 
 
Einstiegsimpuls mit anschließender Diskussion, Dirk E. Haas, Stadtplaner bei REFLEX Architektur_Stadtplanung AKNW SRL und Britta Grotkamp, Schulberaterin

Ausgehend von hohen Anforderungen an die Nutzbarkeit von Schulen, dem Zeitdruck für Kommunen bei Planung und Bau sowie der flexiblen Gestaltung von Räumen für unterschiedliche pädagogische Konzepte gingen Dirk E. Haas und Britta Grotkamp auf vier Faktoren ein, die in kommunalen Schulbauprozessen eine zentrale Rolle spielen. 
 
Zunächst braucht es Neubausettings, die in hohem Maße veränderbar sind, um auf sich ändernde pädagogische Ansprüche und Konzepte reagieren zu können. Bei der Gestaltung von Bildungsbauten muss eine gewisse Nutzungsflexibilität mitgedacht werden. Darüber hinaus ist insbesondere bei dem Ausbau der Ganztagsangebote zentral, die Räume und das pädagogische Verständnis gemeinsam zu denken. Strukturen, in denen die Räumlichkeiten für den Unterricht am Vormittag und die Betreuung am Nachmittag getrennt sind, gilt es aufzubrechen. Neben Räumen bzw. Raumgruppen, die einen ganztägigen Aufenthalt ermöglichen, braucht es auch auf der inhaltlichen-pädagogischen Ebene eine Verzahnung von Schule und Ganztag. Neue Teams müssen sich bilden und eine gemeinschaftliche Haltung entstehen. 
 
Gleichzeitig sind Kommunen mit einer Planungsunsicherheit konfrontiert. Basierend auf qualitativer und quantitativer Schulentwicklungsplanung müssen personelle und räumliche Bedarfe abgeleitet werden, die auch zukunftsgerichtet über den berechenbaren Zeitraum hinaus den Anforderungen entsprechen müssen. 

Die Akteur:innen müssen ganz klar ein Bewusstsein dafür haben: Wir sind als Gemeinschaft für den ganztägigen Aufenthalt – die Betreuung, das Leben, das Lernen – der Kinder in der Grundschule verantwortlich.

Britta Grotkamp, Schulberaterin

Kommunalreise I 10-minütige Impulse aus der kommunalen Praxis 

Im Rahmen der Kommunalreise haben vier Referierende vier unterschiedliche Ansätze der kommunalen Praxis vorgestellt, um auf aktuelle Herausforderungen im Bildungsbau zu reagieren und dabei Fragen des ressortübergreifenden Zusammenwirkens, der Beteiligung sowie der Beschleunigung von Prozessen und der zukunftsfähigen Gestaltung von Bildungsorten aufgegriffen. 

 

Frankfurt a.M. – Schule und Wohnen unter einem Dach

 

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Großstadtnetzwerk "Räume für Bildung 2/2"- 14.Juni 2022 - Monika Ripperger

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„Diese Ansätze sind immer Herausforderung und Chance zugleich. Die Herausforderung liegt darin, dass es sich um eine hochkomplexe Planung handelt, es viel zu bedenken gibt und natürlich auch viele zu beteiligen sind. Aber wir gehen immer davon, dass – wenn wir pädagogische und lebensweltliche Räume überlagern - die Kinder gewinnen und das ist unser Motor.“

Monika Ripperger, Leiterin Stabsstelle Pädagogische Grundsatzplanung, Frankfurt a.M.

Essen – Schulbauleitlinie: flexible Einzelplanung innerhalb abgestimmter Standards 

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Großstadtnetzwerk "Räume für Bildung 2/2"- 14.Juni 2022 - Miriam Matenia

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Berlin-Mitte – Taskforce Schulbau: Die Kunst des Schnittstellenmanagements 

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Großstadtnetzwerk "Räume für Bildung 2/2"- 14.Juni 2022 - Mark Rackles

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Die Taskforce ist wie eine Cafeteria. Menschen die vorher nicht miteinander ins Gespräch gekommen sind, kommen es hier. Und das baut fehlende Transparenz ab, denn über Probleme reden schafft Transparenz.

Mark Rackles, Leiter der Steuerungsgruppe zur Taskforce und Staatssekretär a.D., Berlin-Mitte

Augsburg – „(Grund-)Schulen als Kristallisationspunkte für Bildung im Quartier

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Großstadtnetzwerk "Räume für Bildung 2/2"- 14.Juni 2022 - Klaus Maciol

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Schule der Zukunft | Geschwister-Scholl-Schule in Hamburg-Osdorf 

Gespräch mit Klaus Grab, Schulentwicklungsplaner, Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg über den um- bzw. Neubau der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule mit Standort im Osdorfer Born, einer Großsiedlung mit hohem Kinderanteil, einem geringen Durchschnittseinkommen und am Stadtrand Hamburgs gelegen: Nach knapp 20jährigen Planungsprozessen und politischen Diskussionen, Umsetzung einer Phase 0 als Modellprojekt der Montag Stiftung wurde die Schule im Oktober 2021 bezogen.
 
Im Gespräch teilt Herr Grab seine Erfahrungen aus der Begleitung der Schule über die Phase 0 hin zur „Schule der Zukunft“. Charakteristisch für die Geschwister-Scholl-Schule ist der moderne, offene Bau: Durch viel Glas und wenig Türen können die Jahrgangszonen zukunftsgerichtet flexibel genutzt und umgestaltet werden. Aber auch das Forum (Aula) und die Mensa können je nach Bedarf miteinander verbunden werden. Das angrenzende Haus der Jugend beherbergt nicht nur die Schulküche und Schulbibliothek, sondern ist auch als Freiraum durch Schüler:innen nutzbar. 
 
In der moderierten Phase 0 wurden über neun Monate insbesondere Schüler:innen und Lehrkräfte beteiligt. Dabei hat die Verwaltung, die in der Kerngruppe personell nur einen kleinen Teil ausmachte, einen Rahmen vorgeben, innerhalb dessen verschiedene Dinge auf Augenhöhe diskutiert werden konnten. Es haben aber auch offene Workshops stattgefunden, an denen sich u.a. Schüler:innen und pädagogisches Personal beteiligen konnten. Eine zentrale Rolle nahm auch die Stadtteilkonferenz ein, sie fungierte als Ort des Ausgleichs, um Kompromisse zu finden und den Aushandlungsprozess mit allen Beteiligten zu gestalten. Die Phase Null hat zur nachhaltigen gegenseitigen Wertschätzung der Akteur:innen im Sozialraum beigetragen. 
 
Drei zentrale Lessons aus seiner jahrelangen engen Begleitung der Geschwister-Scholl-Schule als Schulentwicklungsplaner gab Klaus Grab den Teilnehmenden des Großstadtnetzwerks mit auf den Weg: 
 
  1. Nehmen Sie sich Zeit. Die Phase Null braucht Zeit, aber es lohnt sich, da Aspekte, die im Vorhinein berücksichtigt werden, nicht nachgesteuert werden müssen.
  2. Machen Sie sich Ihrer Rolle bewusst. Bei der Planung und Gestaltung von Schulen müssen sich alle Beteiligten über den Handlungsspielrahmen und Entscheidungswege im Klaren sein. So können Entscheidungen nachvollziehbar gemacht und Erwartungen antizipiert werden. 
  3. Haben Sie Vertrauen in die Schülerinnen und Schüler. Herr Grab teilte seine Erfahrung, dass die Wünsche der Schüler:innen schulnah und konkret sind, sie wissen genau, was ihnen fehlt. 
 

Wir sollten auf die Schüler:innen vertrauen. Sie wissen genau, was ihnen fehlt, was sie brauchen. Von ihnen kommt nicht der Wunsch nach dem 10 Meter Turm oder der Eisdiele. Sie haben im Gegenteil ein sehr gutes Gefühl dafür, was machbar ist.

Klaus Grab, Stadt Hamburg
Ansprechperson

Das Großstadtnetzwerk der Transferagentur für Großstädte

Das Großstadtnetzwerk der Transferagentur für Großstädte ist ein bundesweites Netzwerk von Kommunen, die ein datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement aufbauen und weiterentwickeln, um für aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich ressortübergreifende Lösungen zu erarbeiten. Die Treffen fördern den städteübergreifenden Praxis- und Erfahrungsaustausch. Zudem bietet es ein Forum, um Einblicke in gute Praxis vor Ort zu erhalten und Zukunftsthemen für das DKBM zu diskutieren.