"Integration gestalten, Bildung managen: Koordination zwischen Theorie und Praxis"

Dokumentation der regionalen Fachveranstaltungen für Koordinatorinnen und Koordinatoren der Bildungsangebote für Neuzugewanderte

Von Juli bis Oktober 2017 fanden vier regionale Fachveranstaltungen für die Koordinatorinnen und Koordinatoren des BMBF-Programms der „Kommunalen Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte statt.

An den Veranstaltungen in Köln, Bremen, Erfurt und Frankfurt am Main nahmen insgesamt 445 Koordinatorinnen und Koordinatoren aus allen Bundesländern teil.

Ringdiagramm der Teilnehmenden der regional Fachveranstaltung

Im Vordergrund der regionalen Fachveranstaltungen stand die regionale Vernetzung der kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren. Die Themen orientierten sich entlang der Aufgaben, die in der Förderrichtlinie beschrieben sind. Fokussiert wurden die Bereiche Koordinierung und datenbasiertes Arbeiten in der Kommune.

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Aspekte zusammen.
 

Die Zielgruppe der Neuzugewanderten

Der Begriff der Neuzugewanderten ist nicht klar definiert. Diese Offenheit macht es notwendig, dass jede Kommune eine Eingrenzung der Zielgruppe vornimmt: Wer ist mit dem Begriff Neuzugewanderte gemeint?

In einigen Kommunen geht es primär um Zuwanderinnen und Zuwanderer aus Südosteuropa, in anderen vorrangig um syrische Geflüchtete. Kommunen gehen häufig mehrstufig vor, wenn sie die Angebote für Neuzugewanderte aufeinander abstimmen und koordinieren. Zunächst widmen sie sich ausschließlich den Bedarfen der Asylberechtigten, um in einem zweiten Schritt die Zielgruppe zu erweitern.

Die Offenheit des Begriffs wird der Realität gerecht, die Migration heutzutage kennzeichnet. Zugleich stellt sie eine Hürde für das datenbasierte Arbeiten dar. In der Alltagspraxis werden die Koordinatorinnen und Koordinatoren nicht auf Daten zurückgreifen können, die sich mit Neuzugewanderten als klar umrissene Gruppe befassen.

Koordinierung in der Kommune

Im Bereich der Integration von Neuzugewanderten ins Bildungssystem gab es in den vergangenen Jahrzehnten viele Entwicklungen. Dennoch kann noch längst nicht von einem kohärenten System gesprochen werden.

Die Aufgabe der kommunalen Koordinierungen liegt somit darin, bestehende Integrationsansätze der Kommune weiterzudenken, Diskurse anzuregen und Sichtweisen mitzuprägen. So besteht die Aufgabe der kommunalen Koordinierung darin, dazu beizutragen, dass Bildung und Integration als Querschnittsthemen verstanden werden, die in gemeinsamer Verantwortung der verschiedenen Ämter und Akteure bearbeitet werden sollten.

Beispiele aus der Praxis zeigen: Dort wo Querschnittsthemen, wie Bildung und Integration, hierarchie- und abteilungsübergreifend bearbeitet werden, entstehen thematische Bildungsnetzwerke.

Für die Personen, die für die Koordination solcher Themen zuständig sind, ergeben sich jedoch auch einige Herausforderungen. Denn formal sind die Koordinatorinnen und Koordinatoren nicht weisungsbefugt. Und doch ist es möglich, Querschnittsthemen in Verwaltungsnetzwerken voranzutreiben und solche Prozesse zu koordinieren. In der Theorie hat sich hierfür der Begriff der lateralen Führung etabliert.

Laterale Führung
In der Praxis ist die Aufgabe, lateral zu führen, eine anspruchsvolle. Es geht darum:

  • die eigene Rolle anzuerkennen und zu vertreten, auch ohne formale Weisungsbefugnis
  • Aushandlungsprozesse zu führen, um die häufig divergierenden Interessen, Auffassungen und Aufgaben der beteiligten Personen auszutarieren und tragfähige Kompromisse zu vereinbaren,
  • auf klare Ziele hinzuwirken,
  • im Blick zu haben und ggf. nachzusteuern, damit diese Ziele erreicht werden.


Dies alles bedarf oftmals eher informeller Instrumente: Räume können geschaffen werden, um die Verständigung zu fördern, um unterschiedliche Interessen und Ideen effektiv zusammenführen und weiterentwickeln zu können, die Kommunikation zu verbessern, Beziehungsarbeit zu leisten und Vertrauen aufzubauen.


Erfolgreiche Koordinierung braucht klare Ziele
Nur wenn geklärt wurde, auf welche Fragen Antworten benötigt werden und welche Ziele sich mit Hilfe des Programms erreicht werden sollen, kann eine Koordinatorin oder ein Koordinator die dafür relevanten Akteure identifizieren, Maßnahmen ableiten und die Umsetzung koordinieren. Die Ziele, die sich eine Kommune gesteckt hat, sind jedoch nicht starr. Vielmehr sind sie abhängig von den Bedingungen vor Ort, die sich stets verändern können. Die Zielklärung ist daher keine einmalige Aufgabe. Die kommunalen Bildungsziele sollten regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Beraten von Entscheidungsinstanzen

Auf den Veranstaltungen wurde deutlich, dass auch die Begriffe Beratung und Entscheidungsinstanzen unterschiedliche Assoziationen hervorrufen. Eine Begriffsklärung ist daher wichtig.

Entscheidungsinstanzen im Sinne der Förderrichtlinie meint nicht ausschließlich die obersten Entscheidungsebenen wie den Landrat, die Dezernentin oder Oberbürgermeisterin, sondern z.B. die unmittelbaren Vorgesetzten. Eine Entscheidungsinstanz kann auch ein Akteur sein, der formal nicht weisungsbefugt ist, im jeweiligen Themenbereich aber über den Einfluss verfügt, das eigene Vorhaben gelingen oder scheitern zu lassen.
Beratung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Dabei geht es darum, Entscheidungsinstanzen die Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um entweder eine Entscheidung im Sinne des Vorhabens zu treffen oder diese Informationen wiederum auf eine höhere hierarchische Ebene transportieren zu können.

Auch der Begriff der Beratung lässt verschiedene Deutungen zu: andere motivieren, auffordern, zur Reflexion anregen oder Wissen weitergeben, Defizite erkennen und weitergeben, Impulse setzen, Transparenz herstellen, Vorschläge unterbreiten, politische Gremien einbeziehen, Beschlüsse vorbereiten, gut zuhören.

Es ist hilfreich, zu wissen, in welcher Form der Entscheider oder die Entscheiderin Informationen aufbereitet bekommen möchte – schriftlich in Form eines Dossiers oder im Rahmen eines persönlichen Gesprächs? Kurz und prägnant oder mit zusätzlichen Informationen? Ist die Person offen gegenüber Ideen und Vorschlägen von anderen oder ist es wichtig, dass Innovationen von ihr ausgehen? Sind ihm oder ihr die Themen vertraut? Werden ausgearbeitete Lösungsvorschläge erwartet oder diese eher gemeinsam erarbeitet? Dies alles hat Einfluss auf die Art und Weise, wie man Informationen weitergeben sollte.

Beratung ist auch eine Frage der Haltung: Man kann niemanden beraten, der nicht beraten werden möchte. Doch ebensowenig gelingt die Beratung, wenn man selbst Vorurteile hat.

Hinzu kommt, dass es ein gewisses Maß an Vorwissen braucht, um beraten zu können. Hier bewegen sich die Koordinierenden in einem Spannungsfeld. Die Frage ist: Wie viel muss man wissen, um mit der Arbeit starten und beraten zu können?

Entscheidungsinstanzen zu beraten, ist in der Regel keine Aufgabe, die Koordinierenden von Beginn an übertragen wird. Dafür braucht es Vertrauen, das im Laufe der Zeit aufgebaut werden kann.

Datenbasiert arbeiten

Daten hinsichtlich der Lebenslage von Menschen mit Migrationshintergrund systematisch zu erheben, hat keine lange Tradition der Sozialberichterstattung. Auf kommunaler Ebene startete die Stadt Wiesbaden im Jahre 2003 als erste Kommune Deutschlands ein Integrationsmonitoring.

Gezielt statistische Daten über Neuzugewanderte zu erfassen, ist ein noch jüngeres Feld. Die Koordinierenden des Bundesprogramms leisten daher ein Stück weit Pionierarbeit im datenbasierten Arbeiten im Kontext neuer Migration.
Trotz der Herausforderungen gibt es in Kommunen gleichwohl eine Fülle von Daten zu diesen Themen. Eine Übersicht bietet das Themendossier „Daten, Quellen, Institutionen – Neuzuwanderung im Überblick“  der Transferagentur für Großstädte.

Weitere Herausforderungen, denen Koordinierende beim datenbasierten Arbeiten begegnen, sind:

  • Daten über Neuzugewanderte insgesamt fehlen,
  • Unterschiedliche Definitionen, Stichtage und Erhebungswege, die eine Verknüpfung unmöglich machen. Gleichwohl sollten die vorhandenen Daten bestmöglich genutzt werden.
  • Es gibt wenig Wissen über den Bedarf, persönliche Fähigkeiten, Interessen und Motivationen der Neuzugewanderten (Perspektive des Individuums). Da Erhebungen durch die Koordinierenden nicht vorgesehen sind, können Gespräche mit Trägern eine Möglichkeit sein, um an qualitative Daten zu gelangen.
  • Vorhandene Daten werden nicht herausgegeben, u. a. mit der Begründung des Datenschutzes. Zunächst kann es hilfreich sein, das eigene Anliegen klar darzustellen: z.B. welche der angefragten Informationen lediglich für interne Arbeitsprozesse dienen sollen um sich ggf. selbst einen besseren Überblick zu verschaffen, und welche Informationen für die externe Kommunikation angefragt wurden. Handelt es sich um rechtliche Bedenken, kann es sinnvoll sein, den kommunalen Datenschutzbeauftragten frühzeitig einzubinden und z. B. geplante Veröffentlichungen prüfen zu lassen. Falls die Vermutung besteht, dass es nicht primär um rechtliche Bedenken geht, kann es sinnvoll sein, Vertrauen aufzubauen und den Akteuren gegenüber das Vorgehen transparent zu machen. Weiterhin kann es hilfreich sein, sich als Dienstleister anzubieten und kleinere Aufgaben zu übernehmen.

Die regionale Fachveranstaltung in Köln

Den Auftakt der vier Fachveranstaltungen für kommunale Koordinatorinnen und Koordinatoren der Bildungsangebote für Neuzugewanderte bildete die Veranstaltung in Köln für Teilnehmende aus Nordrhein-Westfalen und den drei Stadtstaaten.

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Katja Geerdes, Leiterin des Standortes Bremen, Transferagentur für Großstädte
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Hadrien Segond, Transferagentur für Großstädte
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Iris Lopatta, Transferagentur für Großstädte
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Die regionalen Fachveranstaltungen boten viel Raum für Austausch.
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Dr. Daniel März, Transferagentur für Großstädte
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Lukas Röber, Transferagentur für Großstädte
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Die regionale Fachveranstaltung in Bremen

96 Koordinatorinnen und Koordinatoren aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern trafen sich in Bremen.

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Die regionale Fachveranstaltung in Erfurt

Auf Bremen folgte das Treffen der Koordinierenden aus Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Erfurt mit 115 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

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Die regionale Fachveranstaltung in Frankfurt

Den Abschluss bildete die Fachveranstaltung für Teilnehmende aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie Hessen in Frankfurt. 149  Koordinatorinnen und Koordinatoren nahmen teil.

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Mit der Förderrichtlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur kommunalen Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte unterstützt das BMBF Kommunen bei der Integration von geflüchteten Menschen. Im Rahmen der Fördermaßnahme fanden 2017 vier regionale Fachveranstaltungen statt. In Köln, Bremen, Erfurt und Frankfurt standen die Grundlagen der Aufgabengebiete, die Vernetzung und der kollegiale Austausch unter den kommunalen Koordinatorinnen und Koordinatoren der Bildungsangebote für Neuzugewanderte im Vordergrund.

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