2. Kapitel

Drei kommunale Handlungsszenarien für mehr Qualität trotz Raumnot

Klar ist: Wachsende Quartiere brauchen flexibel nutzbaren Lernraum, der sich leicht an neue Nutzungsbedarfe anpassen lässt. Gute Räume für Erziehung und Bildung sind Räume, auf die ihre Nutzerinnen und Nutzer stolz sind und der Schlüssel dafür sind gute Beteiligungsprozesse. Was dies heißt, wenn ein Neubau ansteht, wird derzeit vielerorts diskutiert und neu entwickelt. Doch welche alternativen Möglichkeiten haben Kommunen? Welche Ansatzpunkte gibt es, wenn zeitnahe Lösungen gebraucht, temporäre Bedarfe berücksichtigt werde müssen oder Flächen für Neubauten fehlen?

Um Schulen in neuer Qualität zu planen und zu bauen spielt die Phase Null eine wichtige Rolle. Dabei geht es darum, Schulen auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer zuzuschneiden und zugleich städtebauliche, organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen optimal aufeinander abzustimmen. Ziel ist es, dass inhaltliche und räumliche Konzepte optimal ineinandergreifen.1

Die drei Handlungsszenarien, die hier vorgestellt werden, zielen darauf ab, kommunale Handlungsspielräume jenseits des Neubauens auszuloten.

Szenario 1 „Improvisieren“ greift auf, was im Moment und auf absehbare Zeit noch kommunale Realität ist: Zur Behebung akuter Raumnot wird es weiter Übergangslösungen brauchen. Hier geht es um die schnelle Umsetzung und Lösungen, die kurzfristig wirksam werden. Für Kommunen stellt sich dabei die Herausforderung, die Qualität im Blick zu behalten und im Improvisieren – soweit möglich – gute Standards zu schaffen.

Szenario 2 „Kooperieren“ zielt darauf ab zu systematisieren, was in einigen Stadtteilen pragmatisch und unbürokratisch zuweilen bereits Praxis ist: Bestehenden Raum für Bildung – ob in Schule, Bürgerzentrum, Kita, Jugendfreizeitheim oder Volkshochschule – gemeinsam zu nutzen. Die gemeinsame Raumnutzung als kommunal und lokal koordinierter Ansatz steht für kreative Lösungen, die dann möglich werden, wenn mehr Planungssicherheit erreicht ist und die verantwortlichen Akteure weniger unter Druck stehen.

Szenario 3 „Planen“: Der Schlüssel zu mehr Planungssicherheit ist eine verbesserte Prognosefähigkeit. Wie viele Kita- und Schulplätze werden mittel- und langfristig im Stadtteil oder auf Quartiersebene gebraucht? Eine langfristig wirksame Strategie ist es hier, Prognose und Planung durch integrierte Zusammenarbeit von Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung mit kommunaler Statistik und Stadtentwicklung zu verbessern. Das gemeinsame Ziel: Raumbedarfe besser abschätzen können und Flächen für eine bedarfsgerechte Bildungsinfrastruktur frühzeitig sichern.

Endnote: 

1 Weitere Informationen bietet zum Beispiel die Veröffentlichung der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft (Hrsg.): „Schulen planen und bauen 2.0. Grundlagen, Prozess, Projekte“