3. Kapitel

Fazit

Bildungskoordination – Institutionelles und personelles Potenzial für die Entwicklung kommunaler Bildungs- und Integrationsarbeit

Willst Du schnell vorankommen, dann mach es allein! Willst Du ankommen, dann nimm Andere mit!

Teilnehmerin an der regionalen Fachveranstaltung in Würzburg im Mai 2018

Die Komplexität einer Querschnittsaufgabe wie der Bildungskoordination zeigt sich nicht zuletzt in der Fülle an Themen, die auf dem Tisch einer koordinierenden Person landen können. Es sind auch die vielen relevanten Ämter, Fachbereiche und deren nachgeordneten Organisationseinheiten, deren Regeltätigkeiten in das Querschnittsthema einzahlen. Es ist daher wichtig, den Durchblick zu gewinnen und den Überblick zu behalten und mithilfe von Zielen eine Priorisierung vorzunehmen. Hier ist die Einbindung der Vorgesetzten bzw. der strategischen Ebene von zentraler Bedeutung. Die Bildungskoordinatorinnen und -koordinatoren können so auch zu zentralen Wissensträgern in der Kommunalverwaltung werden, wenn es ihnen gelingt, Wissen zu bündeln und für die relevanten Akteure verfügbar zu machen. Dies ist ein wesentlicher Faktor gelingender Koordination.1

Verwaltungen, die die Lebensbedingungen für die Menschen ihrer Kommune positiv und bedarfsgerecht gestalten wollen, können dies nur in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren erreichen. Sie können dies allerdings nur dann schaffen, wenn sie dem alten Bürokratieverständnis entkommen, das ihnen wenig Raum für innovative oder kreative Lösungswege gibt. Die Bildungskoordinatoren können in gewisser Weise die Rolle von „Change-Agents“ übernehmen und einen Kulturwandel in der Verwaltung mitgestalten. Ihr Mehrwert besteht in der gewissen Sonderrolle, mit der sie in ihren Handlungsfeldern mit den Zuständigen der Regel- und Fachaufgaben zusammenarbeiten. Zudem ist es der starke Kooperationsansatz, der eine weitere Öffnung der Verwaltung in die Zivilgesellschaft befördern kann. Im Rahmen der regionalen Fachveranstaltungen forderten erfahrene, kommunale Akteure wiederholt, dass es auch eine aktive Fehlerkultur bräuchte, um zeitgemäße kommunale Verwaltungsarbeit zu betreiben. Diese verlangt Mut und die Bereitschaft, als Organisation lernen zu wollen und dafür auf Vernetzung, Kooperation und Beteiligung zu setzen. Die Entwicklung neuer Berufsfelder wie der kommunalen Koordination braucht Zeit – sie nach kurzen Programmphasen abschließend einordnen zu wollen, greift zu kurz. Vielmehr ist die kommunale Koordinierung als „Daueraufgabe, in der sukzessive neue Akteure in Dialoge und Abstimmungsprozesse einbezogen werden“, zu verstehen. 2

Wir sehen uns als aktive Bildungsgestalter – wir sind keine Kreisverwaltung, sondern eine Kreisgestaltung.

Markus Rempel ,Leiter des Fachdienstes Bildung im Kreis Lippe

Die kommunalen Bildungskoordinatorinnen und -koordinatoren stehen für ein noch junges Berufsfeld, das sich zwischen den regelhaften Aufgaben der Kommunalverwaltungen bewegen und gleichzeitig eine zeitgemäße Antwort auf die Komplexität der gesellschaftlichen Veränderungen geben. Dieter Assel, ehemaliger Leiter der Jugendhilfe im hessischen Weiterstadt, sieht die Koordinatoren am Puls der Zeit, denn „der Bedarf an Kooperationen und dessen Koordination wird in den Kommunen wachsen, einfach auf Grund der zunehmenden Komplexität der Aufgaben“.3 Für das moderne Selbstverständnis vieler Kommunen, nicht mehr nur zu verwalten, sondern auch zu gestalten, sind die Koordinationsstellen ein wichtiger Baustein. Dafür sei es jedoch entscheidend, dass Querschnittsthemen wie Integration und Bildung einen hohen politischen Stellenwert besitzen, sie sprichwörtlich zur „Chefsache“ erklärt werden. „Je größer der politische Rückhalt, desto größer kann man denken“, unterstreicht Markus Rempe, Leiter des Fachdienstes Bildung im Kreis Lippe, diesen zentralen Aspekt.4

Die Autorinnen der Böll-Studie „Lehren aus der Flüchtlingspolitik 2014 bis 2016“ bilanzieren über kommunale Koordination im Bereich der Flüchtlings- und Integrationsarbeit insgesamt, dass hierin „ein institutionelles und personelles Potenzial [liegt], um, ausgehend von den Erfahrungen der Jahre 2014 bis 2016, eine Struktur für die Verstetigung und Verschränkung kommunaler Flüchtlings- und Integrationsarbeit zu entwickeln. Dabei gilt es, nicht nur die Erfahrungen in den Kommunen und Landkreisen auszuwerten, sondern auch deren Aufgabenbereiche abzustimmen, zu verstetigen, anzupassen und über verschiedene Ebenen zu verschränken.“5
Die Bildungskoordinatoren können dabei in den Kommunen einen zentralen Beitrag leisten.