1. Kapitel

Spannungsfelder kommunaler Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte

Die kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte kann im Zusammenhang neuerer Entwicklungen kommunalen Verwaltungshandelns gesehen werden (vgl. Kapitel „Seitenblick“ in diesem Dossier). Mit dieser Neuentwicklung kommunaler Koordinierung sind zahlreiche Herausforderungen verbunden. Diese werden u. a. von unterschiedlichen Voraussetzungen vor Ort beeinflusst (beispielsweise Verortung innerhalb der Kommunalverwaltung) und sind für eine befristete Laufzeit, in der darüber hinaus kommunale Querschnittsthemen bearbeitet werden sollen, nicht ungewöhnlich. Denn die Arbeit der Bildungskoordinatoren berührt zahlreiche kommunale Politikfelder (Bildungs-, Integrations- und Arbeitsmarktpolitik, etc.) und ist folglich eine anspruchsvolle Querschnittsaufgabe.

Vor allem bildungs- und integrationsrelevante Bereiche der Verwaltung bearbeiten Fachaufgaben, die sich aus den pflichtigen und freiwilligen Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung ergeben. Sie arbeiten dafür in klar definierten Zuständigkeitsbereichen. Ein vielerorts noch ausgeprägtes Ressortdenken kann die für die Bildungskoordinatoren wichtige übergreifende Zusammenarbeit erschweren, was teils zu Widerständen, Zweifel und Misstrauen führen kann. Als „neue“ und befristete Programmstellen fehlt vielerorts auch die Akzeptanz durch andere Verwaltungseinheiten. So kann es der Bildungskoordination schwerfallen, unmittelbar Zugang zu regelhaften, internen und externen Strukturen, Prozessen und Informationsflüssen zu erhalten.

Auch die Erfahrungen des Programms „Lernen vor Ort“ machen deutlich, dass die „Integration in die kommunale Verwaltung“, der Zugang zu Strukturen und Ressourcen sowie Akzeptanz und Unterstützung wichtige Anforderungen sind.1

Im Rahmen der regionalen Fachveranstaltungen 2017 und 2018 haben sich die Bildungskoordinatoren auch mit den herausfordernden Aspekten ihrer Koordinierungsarbeit auseinandergesetzt. Dabei wurden folgende zentrale Herausforderungen immer wieder genannt:

Im Rahmen der regionalen Fachveranstaltungen 2017 und 2018 haben sich die Bildungskoordinatoren auch mit den herausfordernden Aspekten ihrer Koordinierungsarbeit auseinandergesetzt. Dabei wurden folgende zentrale Herausforderungen immer wieder genannt:

Was bei „Lernen vor Ort“ als Herausforderung des Rollenverständnisses innerhalb des kommunalen Bildungsmanagements 2 bezeichnet wurde, ist übertragen auf die Bildungskoordinierung für Neuzugewanderte, die immer wieder genannte Unklarheit bezüglich der Rolle und Aufgabe innerhalb der Verwaltung. Insbesondere dort, wo die Unterstützung von Seiten der kommunalen Vorgesetzten nicht optimal ist, wo unklare und sich ständig ändernde Zielvorgaben beschrieben werden, ist die Umsetzung der Koordinierungsaufgaben schwierig.
Darüber hinaus ist für das Tätigkeitsfeld der Koordination von Bildungsangeboten für Neuzugewanderte die ausgeprägte Akteursvielfalt der örtlichen Bildungs- und Integrationsstrukturen sowie bereits bestehender Netzwerke charakteristisch. Für die Koordinatorinnen und Koordinatoren kann es daher eine Herausforderung sein, die Kooperationsbereitschaft interner und externer Akteure zu aktivieren, die mitunter bereits in zahlreichen Netzwerken organisiert sind und die u. a. die Gefahr von Doppelstrukturen befürchten.
Der Umgang mit und das Auflösen dieser Spannungsfelder gehören zu den täglichen Herausforderungen kommunaler Koordinierung.

Endnoten:

1 Vgl. Lindner, Markus; Niedlich, Sebastian; Klausing, Julia; Lüthi, Katharina; Brüsemeister, Thomas: Zum Aufbau von Arenen des Bildungsmanagements in Lernen vor Ort. Wiesbaden 2016.

2 Vgl. ebenda.