Hamburg, Bezirk Eimsbüttel

Bildungsthemen sozialräumlich und vernetzt denken

Die Bildungskonferenzen auf Bezirks- und Stadtteilebene sind in Hamburg seit 2010 gesetzlich geregelt. Kräftigen Startschub erhielten sie durch das Programm „Lernen vor Ort“. Der lokale Zuschnitt der Bildungskonferenzen ist dabei ein besonderer Vorteil. Hier werden beispielhaft die Bildungskonferenzen im Bezirk Eimsbüttel vorgestellt.

Zahlen und Fakten
264 869 Einwohnerinnen und Einwohner
2010 wurden die Bildungskonferenzen im Hamburgischen Schulgesetz verankert, als regelmäßiges Format aufgesetzt und anschließend verstetigt. So konnten seit 2011 im Hamburger Bezirk Eimsbüttel 86 Bildungskonferenzen stattfinden, 76 lokale Bildungskonferenzen (LBK) und 10 bezirkliche Bildungskonferenzen. Hinsichtlich der Teilnehmenden sind die LBK ein „kleineres Format“ und haben je nach Stadtteil 20 bis 30 Teilnehmende, die bezirklichen Bildungskonferenzen haben zwischen 40 und 80 Teilnehmende. Dabei handelt es sich vorrangig um Vertreterinnen und Vertretern von Einrichtungen aus den Bereichen Schule, GBS (Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen), Kita, Elterngremien, Beratung, Jugend- und Familienhilfe, Politik, Verwaltung, Kultur, Sport und Kirche. Je nach Themenfeld variieren die Professionen, gelegentlich werden die Veranstaltungen auch von interessierten Bürgerinnen und Bürgern besucht.

 
Mit dem Hamburgischen Schulgesetz (§86) wurden die Regionalen Bildungskonferenzen (RBK) etabliert, so hat Hamburg eine Grundstruktur für die regionale Vernetzung im Bildungsbereich geschaffen. Auf Landesebene wurde eine Lenkungsgruppe zur Strategieentwicklung installiert, die Bezirke verfügen über Steuerungsgruppen, die den Prozess in den Bezirken steuern und beraten. Auf Stadtteilebene begleiten in Eimsbüttel ehrenamtliche Koordinatorinnen und Koordinatoren die lokalen Bildungskonferenzen. Ziele der Bildungskonferenzen sind die verbesserte Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen im Sinne einer gemeinsamen Verantwortungsübernahme, die Abstimmung der vorhandenen Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und deren Familien in einem Quartier, Stadtteil oder Bezirk und die Entwicklung und Umsetzung (neuer) regionaler Handlungskonzepte.
 
Lokale Bildungskonferenzen: Starker sozialräumlicher Bezug und intensives Einbinden lokaler Expertise
Das Hamburger Bildungskonferenzen-Modell gliedert sich typischerweise in bezirkliche und lokale Bildungskonferenzen (LBK) und zeichnet sich vor allem durch den sozialräumlichen Bezug und das intensive Einbinden von lokaler Expertise aus: Durch die enge Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Koordinatorinnen und Koordinatoren aus den Sozialräumen im Bezirk Eimsbüttel entstehen an den Bedarfen des Stadtteils orientierte Konferenzen. Für jede Region5 gibt es ehrenamtliche LBK-Koordinierungsteams. Die lokalen Bildungskonferenzen in Eimsbüttel agieren mit hoher Eigenverantwortung, gleichwohl in enger Abstimmung mit der bezirklichen Bildungskoordination, angesiedelt im bezirklichen Fachamt für Sozialraummanagement, die fachlich begleitet und berät. Die Teams setzen sich aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Professionen und Bereichen wie Schule, Kultur, Jugendhilfe und Politik zusammen. Diese sind zu Beginn des Prozesses direkt angesprochen worden und haben zumeist einen Quartiersbezug zu den entsprechenden Stadtteilen.
 
Das Format der lokalen Bildungskonferenzen hat sich etabliert: In einigen Stadtteilen gibt es über Jahre hinweg regelmäßig meist im Frühjahr und Herbst eine Konferenz. Die Teilnehmenden schätzen die Kontinuität des Formats und die Möglichkeit, sich zu vernetzen und auszutauschen. Finanziell und personell werden die Regionalen Bildungskonferenzen von der Behörde für Schule und Berufsbildung unterstützt und gefördert. In einigen Bezirken besteht die Möglichkeit, die LBK mit einem kleinen bezirklichen Budget auszustatten. In Eimsbüttel existiert zudem ein Verfügungsfonds, gespeist aus dem Quartiersfonds für bezirkliche Stadtteilarbeit. Außerdem haben die LBK auch die Option, Empfehlungen an die Verwaltung und andere Akteure (inkl. sich selbst) zu geben: Über das kleine Budget können Kooperationsprojekte angestoßen werden. Beispielsweise konnte so in Eimsbüttel ein Stadtteilführer zu Bildungs- und Beratungsorten umgesetzt werden. Die RBK-Geschäftsstelle unterstützt die lokalen Bildungskonferenzen bei der Organisation und gibt Hinweise zur Umsetzung. Sie ist angebunden an die Schulbehörde und arbeitet eng mit der bezirklichen Bildungskoordination zusammen. Eine Reflexion und Würdigung des Prozesses findet in der bezirklichen Steuerungsgruppe (im Bezirk Eimsbüttel) der regionalen Bildungskonferenzen statt, zum Teil im direkten Austausch mit den Vorort-Aktiven. Zweimal pro Jahr treffen sich diese mit den Behördenvertreterinnen und -vertretern (etwa Sozialdezernent oder Schulaufsichten) in der Steuerungsgruppe. Ziel ist die mittelfristige strategische Themensetzung der Bildungskonferenzen, diese wird auch als Ort der kooperativen Ideenentwicklung für die jährliche bezirkliche Bildungskonferenz genutzt. Hinzu kommt der überbezirkliche Austausch der Bezirke, geleitet von der Fachbehörde. Das IfBQ (Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung) nimmt an dem Austausch teil. Weitere Akteure und Gäste werden einbezogen, um Anregungen von außen zu erhalten und Fachthemen zu diskutieren. Hier werden Formate weitergedacht und interbezirkliches Transferpotenzial entwickelt. Schließlich gibt auch die Lenkungsgruppe RBK unter Leitung der BSB Impulse. In ihr sind Vertreterinnen und Vertreter der Steuerungsgruppen, verschiedene Behörden und auch Stiftungen vertreten.
 

Struktur der Bildungskonferenzen ermöglicht schnelle Abstimmungen auf lokaler Ebene
Für den Stadtstaat Hamburg trägt die Struktur der Bildungskonferenzen zu einer besseren behördenübergreifenden Koordination und Kooperation bei: Die RBK-Steuerungsstruktur hat eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von bezirklicher und ministerieller Ebene (Schulbehörde) gefördert. Diese wirkt sich auch auf angrenzende Abstimmungsprozesse, aus und übersteigt insofern den RBK-Prozess. Dies zeigte sich auch bei der neuen Zuwanderung: Durch die vorhandene Struktur der Bildungskonferenzen hatte man die Möglichkeit, mit den Herausforderungen im Zusammenhang mit der neuen Zuwanderung auf lokaler Ebener wirksamer umzugehen.

Vernetzung als wichtigste Funktion der Bildungskonferenzen
Die wichtigste Funktion der Bildungskonferenz ist die Vernetzung. Die inhaltlichen Themen sollen aktuelle Relevanz haben – gerade vor Ort. Aber sie dienen auch dazu, ins Gespräch zu kommen und weitere Akteure im Sozialraum kennenzulernen. Die Erfahrung zeigt: Wer sich schon einmal gesehen hat und miteinander in wertschätzender Atmosphäre zu fachlichen Themen gesprochen hat, nimmt später leichter wieder Kontakt auf. Auch die Informationsvermittlung ist eine wichtige Funktion der Konferenzen. Üblicherweise werden bestimmte Themen, die die bildungspolitischen Debatten bestimmen, wie Inklusion, Integration, Ganztag, Übergang Schule-Beruf, in den Bildungskonferenzen thematisiert. Hierzu gibt es Impulsreferate von (externen oder internen) Expertinnen und Experten nach der Devise „von der Praxis für die Praxis“. Zuletzt haben Bildungskonferenzen zu den Themen Elternbeteiligung am Bildungsprozess in Kita und Schule, Partizipation von Schülerinnen und Schülern, Bildung und Nachhaltigkeit, Kinderrechte als Voraussetzung für Kinderschutz, Kulturelle Bildung und Vernetzung im Kontext von Stadtteilentwicklung, sowie Bildungsbiografie-Arbeit vor dem Hintergrund von Diversität und Integration stattgefunden. Eingeschränkt spielen auch Empfehlungen und Beratung von Politik und Verwaltung eine Rolle, wenn die Kommunalpolitik an den Veranstaltungen teilnimmt oder Anregungen und Bedarfe in behördliche Strukturen weitergibt.
Eine weitere, nicht zu unterschätzende Funktion ist der Perspektivwechsel: Wenn unterschiedliche Professionen und Ebenen zusammengebracht werden, können neue, bislang unbekannte Einsichten für alle Beteiligten entstehen, die in weiteren Prozessen zu Kooperationen und Sensibilisierung beitragen können. So kann die Reflexion der eigenen Haltung und „Gewissheiten“ sowie das Wahrnehmen anderer professionsspezifischer Alltagswelten zu neuen Entwicklungen führen.

Empfehlungen in Bezug auf eine gelungene Bildungskonferenz

  • Passendes Thema setzen: Finden Sie das richtige Vor-Ort-Thema, das verschiedene Akteure im Arbeitsalltag umtreibt und zugleich ein Gestaltungspotenzial im Sinne von losen Absprachen und Selbstverpflichtungen bietet.
  • Interessante Referentinnen und Referenten sowie professionelle Moderation auswählen: Binden Sie geeignete Referentinnen und Referenten sowie Moderation ein, gern mit Unterhaltungswert.
  • Ergebnisse festhalten: Achten Sie darauf, dass am Ende ein vorher anvisiertes Ziel / Ergebnis / Absprache für alle sichtbar festgehalten wird. Die nächsten Schritte sollten skizziert werden.
  • Pausen als wichtige Vernetzungsmomente: Schaffen Sie eine angenehme und wertschätzende Atmosphäre in den Pausen. Sehen Sie genug Pausenzeit und Gelegenheit zum Austausch unter den Teilnehmenden vor.

Weitere Informationen:
 
Kontakt:
Bezirk Eimsbüttel
Matthias Eichhorn, Bildungskoordination und
Stadtteilkultur im Bezirk Eimsbüttel
Fachamt für Sozialraummanagement
Telefon: 040-42801-2249
 
Behörde für Schule und Berufsbildung
Jens Oldenburg
Bildung in der Region und Flüchtlingsbeschulung
Telefon: 040-42863-3104