Frankfurt am Main

Mit Kindern und Jugendlichen Bildung gestalten

Kindern auf Augenhöhe begegnen und gemeinsame Lösungen erarbeiten.

Zahlen und Fakten
746 878 Einwohnerinnen und Einwohner
Die Bildungskonferenz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene hat bisher einmal, im März 2017, stattgefunden. Die nächste Konferenz ist für Dezember 2019 geplant. Zukünftig soll die Bildungskonferenz alle zwei Jahre stattfinden. Bei der ersten Bildungskonferenz waren insgesamt 190 Schülerinnen und Schüler und 120 Erwachsene zu Gast. Auch zukünftig sind im Schnitt 300 Teilnehmende geplant. Dabei gilt das Verhältnis 2:1, das heißt, es sollen circa 200 Schülerinnen und Schüler und 100 Erwachsene teilnehmen. Alle Schulformen (insgesamt 165 Schulen) und Altersgruppen sind eingeladen.

Das Besondere an der Frankfurter Bildungskonferenz ist die Zielgruppe: Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird es ermöglicht teilzunehmen und sich mit ihren Vorstellungen und Wünschen zu beteiligen. Ziel der Bildungskonferenz ist es, ein Dialogformat zu etablieren und eine andere Dialogkultur zu schaffen, um gemeinsam Bedarfe und Lösungsansätze für den Schulalltag zu entwickeln und darüber hinaus die Identität der Bildungslandschaft zu stärken.1 Durch das Format, in dem nicht über, sondern mit der Zielgruppe der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesprochen wird, möchte man zu guten und nachhaltigen Lösungen für alle kommen. Die Bildungskonferenz ist nur ein Baustein des dialogischen Prozesses in Frankfurt.

Der Prozess
Der Wunsch nach einer Bildungskonferenz nur für Kinder und Jugendliche wurde bei einem Regionalen Dialog (ein Informations- und Austauschformat in den Stadtteilen) von einem Grundschulkind geäußert. Das Stadtschulamt nahm den Wunsch auf und startete den Prozess für die erste Frankfurter Bildungskonferenz. In der durch externe Prozessbegleiterinnen und -begleiter unterstützten Initialberatung, an der auch die Dezernentin für Integration und Bildung, die Amtsleiterin des Stadtschulamtes sowie Vertreterinnen und Vertretern des Staatlichen Schulamts und des Kinderbüros teilnahmen, wurde der Auftrag an die einzusetzende Pilotgruppe entwickelt sowie der Beteiligungskorridor festgelegt. Ziele, Prozesse und Grenzen wurden bestimmt. Darüber hinaus wurden 100.000 Euro für die Umsetzung der Projektideen, die aus der Bildungskonferenz resultierten, zur Verfügung gestellt. Ziel war es, Ansätze für die Verbesserung der Frankfurter Schulen aus Sicht der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.
 
Die Pilotgruppe ist der Kern des Frankfurter Konzepts. Externe Prozessbegleiterinnen und -begleiter moderieren sie. Die Pilotgruppe ist für die inhaltliche Ausgestaltung und praktische Umsetzung der Bildungskonferenz verantwortlich. Auch diese wurde im Verhältnis 2:1 besetzt und umfasste für die erste Bildungskonferenz insgesamt 29 Personen: Schülerinnen und Schüler der verschiedenen Schulformen und Altersgruppen sowie Vertreter und Vertreterinnen aus der Schul- und Sozialverwaltung, dem Dezernat für Integration und Bildung, aus der Schulleitung, von freien Jugendhilfeträgern, von den stadtweiten Verbindungs- bzw. Vertrauenslehrkräften, aus dem Kulturbereich und dem Kinderbüro nahmen teil. Im Rahmen dieser Treffen probierten die Teilnehmenden auch unterschiedliche Methoden aus, entwickelten ein Raumgestaltungskonzept, legten den Titel der Bildungskonferenz fest und besprachen die Form der Dokumentation. Sie entschieden auch, dass sich auf der Bildungskonferenz geduzt werden sollte. Mandatiert wurde die Pilotgruppe von Stadträtin Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung, zu Beginn ihrer ersten Sitzung. Das Leitprinzip war „Gleiche unter Gleichen“, das heißt Begegnung auf Augenhöhe.
Auf der Bildungskonferenz tauschten sich die Teilnehmenden zunächst zu positiven und negativen Aspekten in der Schule aus, um im zweiten Teil Lösungsansätze zu entwickeln. Insgesamt wurden 60 verschiedene Themen genannt und davon 33 Themen am Konferenztag weiterbearbeitet. Zum Abschluss der Bildungskonferenz besprachen die Teilnehmenden in Kleingruppen die nächsten Schritte. Im Nachgang der Bildungskonferenz fanden sich für 19 Themen eigenverantwortliche Gruppen aus Schülerinnen, Schülern und Erwachsenen zusammen, um diese weiter auszuarbeiten. Für die Treffen stellte das Stadtschulamt Ressourcen wie zum Beispiel Räume zur Verfügung.
In der Antragsphase reichten elf Gruppen Verbesserungsideen beim Stadtschulamt ein und stellten diese einer vierköpfigen Jury aus Bildungspolitik, Schulverwaltung und Jugendhilfeausschuss vor. Alle Projektideen überzeugten die Jury und erhielten Förderungszusagen.
 
Folgende Projekte werden nun umgesetzt:
 
  • „Das Video – Alex erklärt die Schülervertretung“: Was bedeutet es, Klassensprecher oder -sprecherin zu sein? Was wird im StadtschülerInnenrat besprochen? Welche Aufgaben hat eine Verbindungslehrkraft? Zu diesen Fragen drehte der StadtschülerInnenrat ein Erklärvideo und stellt die DVD allen Schülervertretungen der weiterführenden Schulen zur Verfügung.
  • Eine Turnhalle für die Falkschule“: Die Falkschule hat keine eigene Turnhalle und die Schülerinnen und Schüler müssen mit der Bahn durch die Stadt zur Sporthalle fahren. In einer Filmprojektwoche sowie einem Fotoworkshop machten Schülerinnen und Schülern auf das Fehlen der Turnhalle aufmerksam.
  • „Saubere Toiletten“: In einer zweiwöchigen Gestaltungsaktion mit 480 Schülerinnen und Schülern der Hellerhofschule (Klassen 1-4) wurden die Kindertoiletten zu verschiedenen Themen gestaltet.
  • „Lego – Robotic AG“: Die Kinder der AG haben spielerisch verschiedene (Natur-)phänomene experimentell untersucht. So bauten sie beispielsweise einen Roboter, der Erdbeben nachstellen kann.
  • „Erste-Hilfe AG“: Am Adorno-Gymnasium wurde eine Erste-Hilfe AG eingerichtet, um auf den Schulsanitätsdienst vorzubereiten und diesen an der noch jungen Schule aufzubauen.

Folgende Hinweise sollten Sie aus Sicht der Verantwortlichen bei der Konzeption und Durchführung einer Bildungskonferenz bedenken:
  • Detaillierte Planung im Vorfeld: Wenn die Konferenz losgeht, dann läuft sie. Sie sollten dann nicht mehr steuernd eingreifen. In der Vorbereitung muss alles durchdacht werden, weil es später nicht mehr einzuholen ist. Die Pilotgruppen-Phase ist daher sehr intensiv und muss gut gestaltet sein.
  • Beachten Sie die Gestaltung der Räume: Beteiligung wird u. a. auch durch die Raumordnung ermöglicht oder verhindert. Eine detaillierte Vorbereitung und eine Klarheit sowie eine hohe Ästhetik für den Raum lohnen sich.
  • Skeptikerinnen und Skeptiker einbinden: Vergessen Sie nicht die skeptischen Akteure – gehen Sie mit ihnen systematisch ins Gespräch, holen Sie Antworten ein und binden Sie diese in den Entwicklungsprozess ein.
  • Beteiligung ernst meinen: Für die Bildungskonferenz selbst gilt: Es ist der Tag der Schülerinnen und Schüler. Erwachsene spielen eine „Nebenrolle“, sie unterstützen Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und deren Anliegen und Ideen. Voraussetzung ist, dass Politik und Verwaltung einen solchen Dialogprozess aushalten und sich auf den Prozess einlassen.

Weitere Informationen:
 
Kontakt:
Monika Ripperger und Maren Hullen
Stadt Frankfurt am Main
Stadtschulamt
40.S3 - Stabsstelle Pädagogische Grundsatzplanung
Telefon: 069-212 74395