Blackbox Bildungskonferenz

Bildungslandschaften partizipativ und nachhaltig gestalten

Im datenbasierten kommunalen Bildungsmanagement müssen zahlreiche Akteure beteiligt und Kooperationen entwickelt werden. Dabei ist die Bildungskonferenz ein wichtiges Instrument, wenn es darum geht, die Bildungsangebote bedarfsorientiert auszurichten, aufeinander abzustimmen sowie Transparenz herzustellen. Häufig wird unterschätzt, wie aufwändig es ist, sowohl die Bildungskonferenz in die kommunalen Strukturen einzubetten als auch konkret durchzuführen. Bildungskonferenzen sind bundesweit unterschiedlich ausgerichtet und implementiert: Strategietreffen, Fortbildungsveranstaltungen, Fachtage oder Netzwerktreffen. Es gibt also nicht die eine Bildungskonferenz und doch bringt sie immer unterschiedliche Akteure und Perspektiven zusammen und schafft Raum für Austausch und Weiterentwicklung.

Blackbox Bildungskonferenz? 
Teils wird die Bildungskonferenz in einer Bildungslandschaft als Blackbox wahrgenommen. Oftmals ist nicht transparent, welches Ziel sie erfüllen soll und welche Funktion mit ihr verknüpft ist: Welche Rolle spielt die Bildungskonferenz im Verhältnis zwischen Politik, Verwaltung und externen Akteuren? Wer ist in die Vorbereitung involviert? Wer hält die Ergebnisse fest und arbeitet daran weiter? Das lässt Verwaltungsakteure als auch externe Akteure unzufrieden mit dem Format der Bildungskonferenz werden. Hintergrund dieser Unzufriedenheit ist der recht hohe Ressourceneinsatz der Teilnehmenden, die an der Weiterentwicklung der jeweiligen Bildungslandschaft und somit an zielorientierten Prozessen interessiert sind. Die Bildungskonferenz ist oftmals die einzige Veranstaltung im Bereich der Bildung, die eine Schnittstelle zur Politik schafft und die verschiedenen Bildungsakteure und -institutionen sowie institutionalisierte Vertreter und Vertreterinnen, gegebenenfalls auch interessierte Bürgerinnen und Bürger, zusammenbringt. 
Daran anknüpfend stellt sich die Frage, was eine Bildungskonferenz leisten kann. Welche Rolle kann sie übernehmen? Damit dieses Gremium Wirkung auf die Bildung(-ssteuerung) entfalten kann, braucht sie immer ein klares Ziel. An diesem Ziel richtet sich die Funktion, der Partizipationsgrad und letztlich die Gestaltungsform aus.

Was ist das Ziel der Bildungskonferenz?
Daher lohnt es sich im ersten Schritt mit der Frage „Was wollen wir mit der Bildungskonferenz erreichen?“ auseinanderzusetzen. Unterschiedliche kommunale Akteure haben spezifische Ziele und thematische Schwerpunkte, die sie in den Prozess mit einbringen und die ausgehandelt werden müssen. Diese Absprachen kosten Zeit, zahlen sich aber im Nachgang aus: Die einzelnen Bildungsakteure verfügen über eine gemeinsame Zielsetzung und Idee der Ausgestaltung. Auch die Perspektive der einzelnen Akteure auf unterschiedliche Gremien und Steuerungssysteme, die in der Kommune bestehen, kann im Prozess der Zielfindung hilfreich sein, um zu gewährleisten, dass die Bildungskonferenz in die Strukturen der Bildungslandschaft zielführend eingebettet wird. Um diesen Prozess methodisch zu unterstützen, hat die Transferagentur für Großstädte in Kooperation mit der Transferagentur Nordrhein-Westfalen ein Analyseraster erstellt. Anhand der (idealtypischen) Funktionen der Bildungskonferenz und der Voraussetzungen kann das Ziel der Bildungskonferenz geklärt und im nächsten Schritt die operativen Umsetzungsschritte definiert werden.
 
Ein Analyseraster zur Zielklärung 2
Im Analyseraster werden zunächst verschiedene Funktionen der Bildungskonferenz je nach Intensität der geplanten Beteiligung unterschieden: Dient die Bildungskonferenz vor allem der Informationsvermittlung? Oder geht es auch um die Mitgestaltung und Mitbestimmung von Empfehlungen an Politik und Verwaltung – oder sollen sogar Entscheidungen getroffen werden? Auf der vertikalen Achse sind dazu fünf übergeordnete Funktionen für die Bildungskonferenz beschrieben – mit einer steigenden Intensität der Beteiligung. Daraus ergeben sich Anforderungen sowohl an die Größe der Teilnehmerschaft als auch an die Verbindlichkeit der Zusammenarbeit. Steht bei der Bildungskonferenz beispielsweise die Informationsvermittlung im Fokus, ist ein großer Teilnehmendenkreis aus unterschiedlichen Ebenen wichtig. Geht es um Empfehlungen, ggf. auch in einem speziellen Handlungsfeld, dann müssen die Teilnehmenden über klar abgesteckte Kompetenzen und ein entsprechendes Mandat verfügen. Im Raster kann festgehalten werden, mit welchen Maßnahmen die Bildungskonferenz zu der entsprechenden Funktion beiträgt und was dabei Herausforderungen sind. Zudem kann dokumentiert werden, ob und welche bereits bestehenden Gremien in der Kommune ähnliche Funktionen übernehmen – um sicher zu gehen, dass das Format der Bildungskonferenz eine Lücke schließt oder zumindest keine Doppelstrukturen schafft. Darüber hinaus kann das Analyseraster auch der Qualitätsentwicklung dienen, zum Beispiel wenn in regelmäßigen Abständen in den Blick genommen wird, ob es gelungen ist, die gewünschte Ausrichtung umzusetzen.

Generell gilt für das Raster:
1. Die möglichen Funktionen der Bildungskonferenz sind Idealtypen und sollen der grundsätzlichen Orientierung dienen. In der Praxis gibt es Zwischentypen und das Raster erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
2. Es ist möglich, mehrere Funktionen mit einer Bildungskonferenz in den Blick zu nehmen. Dies heißt dann aber auch, den unterschiedlichen Funktionen innerhalb der Bildungskonferenz mit verschiedenen Formaten („Wie fördert die Bildungskonferenz diese Funktion?“) Rechnung zu tragen.
3. Die Entwicklung der Zielsetzung einer Bildungskonferenz ist immer mit einem Aushandlungsprozess verbunden, der zeitlich intensiv sein kann, weil unterschiedliche Akteure beteiligt werden und möglicherweise auch Konflikte zu klären sind.
Konzeption der Bildungskonferenz
Bildungskonferenzen sind in den Bundesländern unterschiedlich verankert, in Hamburg etwa im Schulgesetz oder in NRW durch Kooperationsverträge zwischen Land und Kommune. Darin sind zumeist übergeordnete Ziele festgehalten, die auf der einen Seite den durchführenden Akteuren Handlungsspielräume in Bezug auf Funktion und inhaltliche Ziele ermöglichen, auf der anderen Seite aber auch eine Konkretisierung dieser notwendig machen. Vor allem muss eine Entscheidung über den Grad der Intensität und Partizipation getroffen werden.
Denn je höher die Verbindlichkeit der Teilnahme und der Anbindung an die Institutionen (Leitung besucht die Veranstaltung) und je höher die Intensität der Auseinandersetzung, desto geringer darf die Zahl der Teilnehmenden sein. Die Relevanz der Teilnehmenden für das jeweilige Thema bzw. Zielstellung sollte in diesem Fall hoch sein. 
Ausgehend von den unterschiedlichen Funktionen einer Bildungskonferenz,
  • Information/öffentliches Diskussionsformat,
  • Koordination/Vernetzung,
  • Leitbild-Entwicklung/Identität der Bildungslandschaft
  • fördern,
  • Empfehlung/Beratung (von Politik und Verwaltung),
  • Entscheidungen (mit)treffen/Schwerpunkte setzen,

muss entsprechend der Teilnehmendenkreis angepasst werden. Im Umkehrschluss heißt das: Je größer die Zahl der Teilnehmenden ist, desto geringer ist die Intensität und Verbindlichkeit. Ginge es also um Empfehlung und Beratung von Politik und Verwaltung, bräuchte es ein hohes Maß an Intensität in der inhaltlichen Auseinandersetzung und es müsste sichergestellt sein, dass die relevanten Akteure involviert sind.
In der Praxis dienen die meisten Bildungskonferenzen eher der Information und dem öffentlichen Diskurs. Hier können sich die Teilnehmenden vernetzen und koordinieren. Sie sind somit auf einen breiten Teilnehmendenkreis ausgerichtet.

 

Fußnoten:
1Dazu mehr in dem Kommentar von Dr. Anika Duveneck, Der Mythos: Bildungskonferenzen als Beteiligungsgremien
2Dieser Text ist zuerst erschienen im TRANSFERjournal 01/2017 der Transferagentur Nordrhein-Westfalen: https://www.transferagentur-nordrhein-westfalen.de/fileadmin/website_isa...