„Die Bildungskonferenz fördert das praktische Demokratielernen.“

Interview mit Sylvia Weber, Stadträtin in Frankfurt am Main, Dezernentin für Integration und Bildung
Was ist für Sie als Dezernentin für Integration und Bildung das Besondere an der Frankfurter Bildungskonferenz?
Bei der ersten Bildungskonferenz gab es aus meiner Sicht mehrere Besonderheiten, die es zu würdigen gilt: Zum einen war da die exzellente Vorbereitung der Konferenz, an der Schülerinnen und Schüler beteiligt waren, aber auch Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ämtern und der Stadtgesellschaft, dem Stadtelternbeirat und dem Stadtschülerrat. Die Moderation haben die Kommunikationslotsen mit großem Respekt vor allen Ideen und Äußerungen durchgeführt. So entstand in mehreren Sitzungen ein Bild, wie die Konferenz durchgeführt werden kann und welche Rolle die Vorbereitungsgruppe hat, nämlich eine moderierende. Schön war auch, dass die Vorbereitungsgruppe altersgemischt war und alle Schulformen vertreten waren, von neunjährigen Grundschülern bis zu volljährigen Berufsschülern. Das respektvolle Miteinander und die Konstruktivität der Schülerinnen und Schüler waren beeindruckend, ebenso die große Ernsthaftigkeit und die regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen. So hat in der Jurysitzung ein Schüler aus der zweiten Klasse ein Robotik-Projekt für seine Schule gewünscht und referiert, was dafür benötigt wird. Außerdem hatte er in seinen Ausführungen auch Überlegungen angestellt, wie Mädchen an der AG beteiligt werden können. Dieses immer wiederkehrende differenzierte Denken auch schon bei den Jüngsten hat mich sehr beeindruckt. Für mich als Dezernentin waren die Stunden in der Bildungskonferenz sehr konkret und praktisch und nicht wie manche Arbeitstage, abstrakt.

Mitwirkung und Beteiligung wird in den Schulen sehr ernst genommen.
Auch habe ich den Austausch mit den Schülerinnen und Schülern sehr genossen. Im Nachgang sagten wir in unserem Team häufiger: „Das ist unsere Zielgruppe, genau um diese Kids geht es in unserer Arbeit“. Seitens der Schulen wurden die Bildungskonferenz und auch die Vorbereitungstermine gut unterstützt, so dass auch die jüngeren Schülerinnen und Schüler daran teilnehmen konnten. In mehreren Fällen brachten Schulleiterinnen oder Lehrerinnen die Schülerinnen und Schüler zu den Treffen. Letztendlich nahmen dann an der Bildungskonferenz auch unerwartet viele Grundschülerinnen und Grundschüler teil, die gut vorbereitet waren und genau wussten, worüber sie sprechen wollten. Das hat mir erneut gezeigt, dass Mitwirkung und Beteiligung in den Schulen sehr ernst genommen wird und auch im Alltag Raum findet.

Welche Ziele für die Stadt Frankfurt verbinden Sie mit der Bildungskonferenz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus politischer Sicht?
Für die Schülerinnen und Schüler ist die Bildungskonferenz die Gelegenheit, wichtige Themen und auch Forderungen zu benennen, zu formulieren, zu diskutieren und einer Öffentlichkeit vorzustellen. Gleichzeitig lernen die jungen Menschen Entscheiderinnen und Entscheider aus der Politik und verschiedenen Ämtern kennen und bekommen einen Einblick in die Organisation der Stadt. In der Bildungskonferenz findet Partizipation der Schülerinnen und Schüler statt, die Selbstwirksamkeit der Beteiligten wird erhöht und ist dadurch erlebbar, dass ich mich gemeinsam mit der Leiterin des Stadtschulamtes verpflichtet habe, die von den Schülerinnen und Schülern priorisierten Themen und Wünsche auch anzugehen und relativ zeitnah zu realisieren. So haben wir ein Budget für die aus der Bildungskonferenz resultierenden Projekte und Aktivitäten bereitgestellt und gemeinsam unter der Federführung der Stabstelle zahlreiche Wünsche umgesetzt.
 
Die Bildungskonferenz fördert praktisches Demokratielernen
Ein Fünfzehnjähriger sagte am Ende der Vorbereitungstermine begeistert und aus vollem Herzen: „Ich werde auch Politiker.“ Das hat mich gefreut, fördert doch die Bildungskonferenz ein wirklich praktisches Demokratielernen. Und was gibt es Wichtigeres, als eine transparente und gut funktionierende Demokratie und junge Bürgerinnen und Bürger, die dafür ein ausgeprägtes Bewusstsein und Verständnis haben.