1. Kapitel

Qualität in Beteiligungsprozessen

Der entscheidende konzeptionelle Faktor für jeden Beteiligungsprozess ist der Resonanzraum für die Ergebnisse der Beteiligung. Ein von A bis Z vernünftig geplanter Beteiligungsprozess produziert nicht nur Schubkarren voller Ideen und Wünsche, sondern gibt von vornherein konzeptionelle Antworten darauf, wie es zu einer Interaktion zwischen den Beteiligten und denen mit Entscheidungsmacht kommt.

Dr. Michael Freitag, Koordinator Bürgerbeteiligung, Bezirksamt Hamburg Eimsbüttel

„Bei der Planung, Durchführung und Reflexion von Beteiligungsprozessen können Qualitätsstandards eine wichtige Orientierung bieten“, sagte Dr. Michael Freitag im Forum „Einfach mal irgendwie beteiligen? Qualität in Beteiligungsprozessen“ der Jahrestagung der Transferagentur für Großstädte. Wie diese Standards aussehen können, hat ein, im Rahmen des Nationalen Aktionsplans „Für ein kindgerechtes Deutschland 2005 – 2010“, eingerichteter Arbeitskreis entwickelt und diese für die Bereiche Kita, Schule, Kommune, Erzieherische Hilfen und Jugendarbeit spezifiziert. Das Ergebnis ist ein Heft mit Qualitätsstandards und konkreten Handlungsschritten für die Umsetzung von guter Partizipation vor Ort. „Die Qualitätskriterien sollten immer auf konkrete Prozesse angewendet werden, da sie sonst blutleer bleiben.“, so Michael Freitag weiter. Noch vor der Anwendung dieser Standards steht die Definition von Beteiligungsstufen. Es muss ein Konsens darüber hergestellt werden, was zum Beispiel unter den Begriffen ‚Partizipation‘, ‚Mitwirkung‘ und ‚Mitbestimmung‘, verstanden wird. Dabei kommt es nicht darauf an, dass ein bestimmtes Stufenmodell verwendet wird, sondern dass alle mit bestimmten Begriffen dasselbe meinen.

Allgemeine Qualitätsstandards für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen 1
  1. Beteiligung ist gewollt und wird unterstützt – eine Partizipationskultur entsteht.
  2. Beteiligung ist für alle Kinder und Jugendliche möglich.
  3. Die Ziele und Entscheidungen sind transparent – von Anfang an.
  4. Es gibt Klarheit über Entscheidungsspielräume.
  5. Die Informationen sind verständlich und die Kommunikation ist gleichberechtigt.
  6. Kinder und Jugendliche wählen für sie relevante Themen aus.
  7. Die Methoden sind attraktiv und zielgruppenorientiert.
  8. Es werden ausreichende Ressourcen zur Stärkung der Selbstorganisationsfähigkeit zur Verfügung gestellt.
  9. Die Ergebnisse werden zeitnah umgesetzt.
  10. Es werden Netzwerke für Beteiligung aufgebaut.
  11. Die Beteiligten werden für Partizipation qualifiziert.
  12. Partizipationsprozesse werden so gestaltet, dass sie persönlichen Zugewinn ermöglichen.
  13. Das Engagement wird durch Anerkennung gestärkt.
  14. Partizipation wird evaluiert und dokumentiert.

Endnote

1Qualitätsstandards für Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, Allgemeine Qualitätsstandards und Empfehlungen für die Praxisfelder Kindertageseinrichtungen, Schule, Kommune, Kinder- und Jugendarbeit und Erzieherische Hilfen, Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, auf: https://www.bmfsfj.de/blob/94118/c49d4097174e67464b56a5365bc8602f/kinder...