Kooperation auf dem kurzen Dienstweg

Bildungsstadt Erfurt
Torsten Haß mag Zartbitter. Und er mag es fair. Der Leiter der Volkshochschule Erfurt lässt eine Tafel fair gehandelte Bildungsschokolade durch die Reihen gehen, während er Einblick in das Erfurter Bekenntnis zu kommunalem Bildungsmanagement gab.

Schon 2007 hat Erfurt alle Ämter mit Bildungsaufgaben zusammengeführt. Von der durch „Lernen vor Ort“ flankierten Arbeitsebene ausgehend installierte die Kommune die jetzige Steuerungsebene: Kammern, Uni, Fachhochschule, Agentur für Arbeit, kommunale Vertreter – sie alle beraten gemeinsam zu Erfurter Bildungsthemen.

Die BürgerStiftung Erfurt ist klein; mit viel Geld kann sie daher nicht punkten. Aber, so Stiftungsratsvorsitzender Josef Ahlke: „Wir tragen Lokalität bei, und wir sind verlässliche Partner. Wir gehen nicht wieder weg.“ Die BürgerStiftung versteht sich als Schrittmacher. Sie bringt die unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Akteure an einen Tisch: Vereine, NGOs, die lokalen Medien. Die Stiftung handelt klug und charmant; so entwickelt sie z.B. eigene kreative Formate wie die Veranstaltungsreihe „Themenwechsel – Gespräche über Stadt, Stil & Steckenpferde“, moderiert von einem stadtbekannten Radiomoderator. Für Torsten Haß, Leiter der Volkshochschule Erfurt, ist der kurze Dienstweg das wichtigste Pfund in der Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung. „Verwaltung und Bürgergesellschaft sind zwei Welten – die Stiftung ist unser Sprachrohr in Richtung Zivilgesellschaft.“
Ausgehend von der Frage nach der Nachhaltigkeit entbrennt eine Diskussion um die Rolle von Stiftung und Kommune. Stiftungsvertreter bemerken, Kommunen fiele es oft nicht leicht, zielführend mit Stiftungen ins Gespräch zu kommen. Häufig hätten sie von Stiftungen, ihren Zielen und Möglichkeiten ein sehr diffuses Bild. Kommunale Vertreter ihrerseits äußern, dass sie sich immer wieder von Stiftungen überfahren fühlten. Daran wird deutlich, wie wichtig es ist, dass externe Akteure den Bedarf vor Ort kennen, dass sie  zuhören und die kommunale Handlungslogik nachvollziehen. Diese Zurückhaltung auf Stiftungsseite wird hoch geschätzt. Nur so könne man wirklich ins gemeinsame Handeln kommen.

Fragen, die das Tandem bewegen:

  • Wie kann der lokale Stiftungsverbund auch nach „Lernen vor Ort“ weiterarbeiten?
  • Was könnte ein gemeinsames Referenzprojekt von Kommune und Stiftungsverbund sein, das die kommunale Bildungslandschaft erlebbar macht?

Das Praxisbeispiel wurde im Rahmen des Kommunalsalons "Auf dem Tandem – Kommunen und Stiftungen in der kommunalen Bildungslandschaft" vorgestellt. Zur Dokumentation der Veranstaltung gelangen Sie hier.