Integriertes Sozialmanagement als Daueraufgabe

Interview mit Heike Fleischmann, Stadt Mannheim
Heike Fleischmann, Stadt Mannheim

Die Stadt Mannheim ist dabei, ihre Verwaltung umfassend zu modernisieren und zukunftsfähig aufzustellen. Dazu gehört auch, ein fachbereichs- und dezernatsübergreifendes Sozialmanagement einzuführen. An dem Projekt sind die Fachbereiche Bildung, Arbeit und Soziales, Tagesenrichtungen für KInder sowie Jugendamt und Gesundheitsamt beteiligt. Heike Fleischmann ist Leiterin der Abteilung Bildungsplanung/Schulentwicklung im Fachbereich Bildung der Stadt Mannheim. Im Interview berichtet sie, wie sich unter anderem die Zusammenarbeit der beteiligten Fachbereiche verändert hat und welche Erwartungen ihr Fachbereich an das Integrierte Sozialmanagement in den nächsten Jahren hat.

Was waren die Hintergründe, das integrierte Sozialmanagement in Mannheim einzuführen?

Das Sozialmanagement in Mannheim unterliegt vielfältigen Anforderungen, die sich aus gesellschaftlichen Trends, fachlichen und organisatorischen Vorgaben und Standards ergeben, aber auch aus breitgefächerten Erwartungen der sozialpolitischen Akteure. Der bisher durch die Stadt Mannheim verfolgte präventive Ansatz des Verwaltungshandelns soll stärker in den Fokus rücken und gleichzeitig soll eine Möglichkeit für eine gemeinsame Datenbasis geschaffen werden. Das Integrierte Sozialmanagement war eines von zwölf Schlüsselprojekten der „Strategischen Haushaltskonsolidierung in Mannheim (SHM²)“, die seit 2017 bearbeitet werden. Ziel ist es, dass sich die Stadtverwaltung durch ein modernes Sozialmanagement zu zielgerichtetem, systematischem und sozialraumorientiertem Handeln befähigt.
 
Wie hat sich die Zusammenarbeit der beteiligten Fachbereiche seitdem verändert?
 
Alle zwei Monate finden Verstetigungssitzungen statt, in denen wir uns in einem kleineren Rahmen u.a. über die neue Sozialraumtypologie austauschen. Aus der Zusammenarbeit mit Akteuren außerhalb der Kernprojektgruppe sind neue Kontakte und Kooperationen entstanden und intensiviert worden.
 
Auch die gemeinsame Arbeit der involvierten Fachbereiche hat sich mittlerweile intensiviert. Fragen aus früheren Arbeitsgruppen können offener und direkter angesprochen und diskutiert werden. Wir haben nun ein besseres Verständnis für die gemeinsame sozialräumliche Betrachtung der Stadtgebiete. Durch die neue Gliederung der Stadtteile konnten wir eine Grundlage für einen einheitlichen Indikatorensatz erreichen. Das ist ein Meilenstein in diesem Projekt. 
 
Welche Rolle spielte der Fachbereich Bildung in diesem Prozess und welche Perspektive hat er eingebracht?
 
Die sozialräumliche Gliederungsstruktur kommt im Fachbereich Bildung bereits seit der ersten Bildungsberichterstattung 2009/2010 zum Einsatz. Sie hat sich politisch bewährt und die Steuerung von Bildungsinvestitionen maßgeblich dort geprägt, wo es galt, die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern, Jugendlichen und Familien zu optimieren. Die sozialräumliche Orientierung erlaubt uns eine gezielte Zuordnung der vorhandenen Mittel und Ressourcen zu den einzelnen Quartieren.
 
Beispielsweise bestehen in Mannheim sogenannte Grundschulbezirke, durch die jede Wohnadresse einer bestimmten Grundschule zugeordnet ist. Da es uns einerseits wichtig war, auf eine gemeinsame Sozialraumtypologie aller im Bildungs- und Sozialraum tätigen Fachbereiche hinzuarbeiten, galt es andererseits, auf die Besonderheiten der Grundschulbezirke aufmerksam zu machen. Diese können aus vielerlei Gründen nicht einfach verändert oder an eine neue Stadtteilgrenze angepasst werden. Es muss jedoch die Möglichkeit geben, einen Grundschulbezirk, z.B. bei sich verändernden Schülerzahlen des Einzugsgebiets, neu festzulegen. Auch neu entstehende Grundschulen durch Neubaugebiete und damit stark wachsende Einwohnendenzahlen erfordern unter Umständen Anpassungen von Grundschulbezirken. 
 
Als Fachbereich Bildung ist es unsere Aufgabe, auf besondere Situationen und Herausforderungen einzelner Grundschulen aufmerksam zu machen und eine differenzierte Betrachtung auf Quartiersebene einzubringen.
 
Heike Fleischmann, Stadt Mannheim

Der präventive Ansatz des Verwaltungshandelns soll stärker in den Fokus rücken.

Heike Fleischmann, Leiterin der Abt. Bildungsplanung/Schulentwicklung im Fachbereich Bildung der Stadt Mannheim
 
Wie werden die integrierte Datenbeschaffung und die Analyse in Mannheim gelebt?
 
Gesamtstädtisch existiert eine kaum überschaubare Fülle an Daten und Quellen aus unterschiedlichen Verwaltungsregistern, eigenen statistischen Auswertungen, aber auch zugekauften Daten, die wir vom statistischen Landesamt erhalten. Die meisten Daten rufen wir bei der Kommunalen Statistikstelle und beim Statistischen Landesamt ab. Eine Vielzahl der Datenquellen wird als Planungsgrundlage für das Sozialmanagement genutzt. Die Fachplanungen greifen auf jeweilige Grunddaten zurück und sind für die Auswertung und Interpretation dieser Planungsanliegen verantwortlich.
 
Bisher gab es für die Anliegen keine gemeinsam genutzte Datenbank und der Datentransfer ist anlassbezogen. Deshalb war es Auftrag und Ergebnis dieses Projekts, eine Grundlage für einen konsequenten Auf- und Ausbau einer kommunalstatistischen Datenbank zu schaffen. Es ist die Aufgabe der nächsten Monate, diese Pilotdatenbank weiter zu füllen und zu entwickeln. Außerdem müssen die Nutzungsrechte und -zugänge organisiert werden, um allen projektbeteiligten Fachbereichen die Gelegenheit zu geben, diese Statistikdaten nutzen zu können.
 
Gibt es in dem Prozess einen besonderen Schlüsselmoment, an den Sie sich erinnern?
 
Ein wichtiger Meilenstein war die Erkenntnis, dass die von der Projektgruppe vorgestellte neue Stadtteilgliederung nahezu identisch war mit den Kommunalwahlbezirken. Das war bisher niemandem aufgefallen und macht deutlich, wie wichtig fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit für fachlichen Austausch und Weiterentwicklung ist.
 
Außerdem fand ich es spannend, dass die Unterschiede bei den Sozialräumen gar nicht so groß waren: So hat zwar der Bereich „Arbeit und Soziales“ im Vergleich zu den Sozialräumen „Bildung, Jugend und Gesundheit“ unterschiedliche Indikatoren und Einordnungen verwendet. Am Ende unterschieden sich die Bewertungen und Ergebnisse jedoch nur geringfügig voneinander. 
 
Was erwarten Sie und der Fachbereich Bildung in den nächsten fünf Jahren vom integrierten Sozialmanagement?
 
Wir müssen uns immer wieder auf gesellschaftspolitische und sozialstrukturelle Veränderungen einstellen. Wie im Kurzbericht zum Projekt beschrieben, ist das integrierte Sozialmanagement eine Daueraufgabe. Auch wenn die beteiligten Fachbereiche greifbare und praktikable Ergebnisse vorweisen konnten, werden sie in Zukunft eng mit der Kommunalen Statistikstelle zusammenarbeiten. Dort sind die wesentlichen Daten vorhanden und die entwickelten Steuerungsinstrumente können gepflegt und stadtweit zum Einsatz kommen.
 
Nachdem die neue Stadtteilgliederung offiziell eingeführt wurde, ist die Anpassung an die sozialräumliche Gliederung der nächste Schritt. Grundlage dafür sind die neu vereinbarten gemeinsamen Indikatoren. 
 
Der Sozialmonitor ist im Aufbau und wird die fachbereichsübergreifende Arbeit und den Zugriff auf die Sozialdaten wesentlich erleichtern. Die Gliederung der künftigen Berichte und Statistiken wird ein einheitliches Erscheinungsbild erhalten. Und auch der Prototyp des sozialräumlichen Monitorings wird sich weiterentwickeln.
 
Das Interview ist in unserem Themendossier "Integrierte Planung kommunaler Bildungslandschaften #datenbasiert #sozialräumlich #partizipativ" veröffentlicht worden. Das Themendossier können Sie kostenfrei als Printexemplar hier bestellen. Zudem bieten wir eine Onlineversion des Themendossiers. Das PDF können Sie hier herunterladen