„Collective Impact“ für das Ruhrgebiet

Die Initiative RuhrFutur
Ulrike Sommer, Geschäftsführerin der gGmbH RuhrFutur, hält einen Zechen-Förderturm in die Höhe, während sie den Entwicklungsbedarf in Sachen Bildung im Ruhrgebiet erläutert.

Im Ruhrgebiet machen Probleme nicht an Stadtgrenzen Halt. Die junge Kooperation „RuhrFutur“, eine Gründung der Stiftung Mercator, nimmt das Konzept regionale Entwicklung ernst und will gute Ideen für das Ruhrgebiet über kommunale Grenzen hinweg verbreiten. Kooperationspartner sind fünf Kommunen, fünf Hochschulen und das Land Nordrhein-Westfalen. RuhrFutur will diese ungleichen Partner dabei unterstützen, gemeinsam Ziele zu formulieren und sie umzusetzen.

Kooperation statt Konkurrenz ist dabei die Devise: „Wir haben das ganz stark an den Hochschulen gemerkt“, sagt Ulrike Sommer. „Für die war das eine ganz neue Kultur der Gemeinsamkeit, die stehen ja sonst immer in Konkurrenz.“ RuhrFutur sieht sich hierbei vor allem als kommunikative Plattform für eine gemeinsame Anstrengung. „Wir sind nicht nur ein Bildungs- sondern auch ein Governance-Projekt“, fasst Sommer zusammen.

Birgit Klein, Koordinatorin im Bildungsbüro Dortmund, erzählt von ihren Erfahrungen mit dem Verbund: „Am Anfang waren wir skeptisch. Aber dann haben die Kolleginnen von RuhrFutur gefragt, was wir brauchen, und das wurde sehr ernst genommen.“ So entsteht Vertrauen. Ein Thema, das auch in Hinblick auf Monitoring relevant ist: In den Kommunen gibt es immer wieder die Sorge, dass Daten für Rankings missbraucht werden.

Die Idee des regionalen Verbundes im Ruhrgebiet basiert auf Zielen, die anhand messbarer Indikatoren überprüft werden. Die Frage der Messbarkeit wurde im Kommunalsalon durchaus kontrovers diskutiert: Wie misst man Wirkung im Bildungsbereich? Eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren, bis hin zu Bildungs- und Sozialpolitik auf Bundesebene, beeinflussen die kommunalen Bildungslandschaften – wie sollen hier einfache Modelle von Ursache und Wirkung greifen? Und wie lassen sich qualitative Veränderungen messen? Dr. Susanne Farwick, Leiterin des Bereichs Integration bei der Stiftung Mercator, verwies auf Initiativen in den USA: Dort sei es „üblich, das eigene Handeln anhand von konkreten Zahlen zu überprüfen. Tun wir das Richtige? Sind wir gemeinsam unterwegs?“ Die Kommunalvertreter hielten dagegen: Die gesetzten Ziele einer Stiftung müssten sich noch lange nicht mit den Zielen einer Kommune decken. Allerdings sei es an sich schon ein Wert, überhaupt gemeinsam Ziele zu formulieren.

Markus Warnke, Geschäftsführer der Wübben Stiftung, präzisiert die Frage nach der Wirkung weiter: „Ich ertappe mich immer dabei, dass wir Wirkung mit Erfolg gleichsetzen. Sicher ist: Wir wollen schauen, ob sich etwas verändert. Der Frage nachgehen: Funktioniert das eigentlich, was wir tun?“ „Man kann nicht nicht wirken“, meint Dr. Karl-Heinz Imhäuser dazu, und Werner Fuchs, Leiter des Bildungsbüros Duisburg stellt fest: „Der Prozess kann die Wirkung sein, die man erzielen will."

Das Praxisbeispiel wurde im Rahmen des Kommunalsalons "Auf dem Tandem – Kommunen und Stiftungen in der kommunalen Bildungslandschaft" vorgestellt. Zur Dokumentation der Veranstaltung gelangen Sie hier.