Corona und die Zahlen

Die Rolle des Monitorings in der Pandemie
24.06.2020

Bei vielen Menschen dürfte das Interesse an Daten während der Corona-Pandemie sprunghaft gestiegen sein – der regelmäßige Blick auf die Entwicklung der Fallzahlen wurde zur neuen Normalität. Nicht ohne Grund – sind sie doch mehr als nur Quelle der Information und Transparenz. Die Zahlen der Neuinfizierten, die Reproduktionszahlen und andere Kennzahlen sind hoch relevant für politische Maßnahmen. Sie bilden die Grundlage für weitreichende Entscheidungen, etwa darüber, wo es Lockerungen geben kann und wo es hingegen restriktiver Maßnahmen bedarf, um die Pandemie im Griff zu haben. Dunkelziffern, mangelnde Vergleichbarkeit, fehlende Aktualität der Daten und vieles mehr machen deutlich, wo ein Monitoring an seine Grenzen stößt (mehr dazu in einem Beitrag des Deutschlandfunks). Auch darüber, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht, weiß man noch nicht viel – Erkenntnisse dazu fehlen, ändern sich teilweise rasant oder widersprechen sich gar. Aber es bewegt sich viel auf dem Gebiet des Monitorings. 

Neue Tools werden entwickelt und erprobt, um politische Entscheidungsträgerinnen und -träger handlungsfähiger zu machen. So hat beispielsweise ein Team aus Studierenden und Alumni der Hochschule Fulda  gemeinsam mit Prof. Dr. Jozo Acksteiner vom Fachbereich Wirtschaft ein Monitoring-Tool entwickelt, um Corona-Krisenstäben zu ermöglichen, schnell zu erkennen, wann sich die Situation zuspitzt.

Wenngleich das Bildungsmonitoring eine weniger brisante und auch nicht tagesaktuelle Aufgabe darstellt, ist die Funktion doch vergleichbar mit der, die Daten rund um die Pandemie erfüllen sollen: die Grundlagen für politische Entscheidungen liefern, Informationen bereit- und Transparenz herstellen und damit die Möglichkeit bieten, konkrete Maßnahmen abzuleiten, um Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen. Wir haben in unseren Zielkommunen nachgefragt, wie sich die Rolle des Bildungsmonitorings aktuell gestaltet und einige Blitzlichter eingefangen:

Unsere aufgebauten Strukturen und Netzwerke führen zu kurzen Kommunikationswegen, wodurch Informationen schneller weitergeleitet werden können.

Zitat einer Kommune

 Unsere aufgebauten Strukturen und Netzwerke führen zu kurzen Kommunikationswegen, wodurch Informationen schneller weitergeleitet werden können.

Zitat einer Kommune

Das Bildungsmonitoring wird stark nachgefragt, weil vielfältige Daten vorliegen.

Zitat einer Kommune

Wir stellen Daten für den Krisenstab bereit und gewinnen damit an Sichtbarkeit.

Zitat einer Kommune

Neben den positiven Effekten wurde aber auch deutlich, dass die originären Aufgaben des Bildungsmonitorings zum Teil ins Stocken geraten, weil andere Aufgaben – wie Zuarbeiten für einen Krisenstab – prioritär behandelt werden müssen.

Solche gegenläufigen Entwicklungen sind auch bei der Erfassung der Daten erkennbar: Während es bei den einen Lücken in der Erfassung der Daten geben wird, werden in anderen Kommunen neue Erkenntnisse durch Online-Befragungen gewonnen. Das heißt konkret: Aufgrund von Überlastungen entfallen u.a. in Berlin (so ein Artikel des Tagesspiegel) und Freiburg (so ein Beitrag in der Badischen Zeitung) die Schuleingangsuntersuchungen oder bereits erhobene Daten können nicht an das Bildungsmonitoring und andere kooperierende Organisationseinheiten übermittelt werden. Entwicklungen im Zeitverlauf können somit nicht fortlaufend ausgewertet und abgebildet werden. Dabei ist die Schuleingangsuntersuchung ein wichtiger Baustein in der gesundheitlichen Versorgung von Kindern, da der Blick besonders auf Kinder aus belasteten Sozialräumen gerichtet ist, wo eine geringere Bildungsteilhabe und stärkere psychosoziale Belastungen erkennbar sind. Damit sind die Erkenntnisse daraus von hoher Relevanz für das Bildungsmonitoring. Welche Folgen und Auswirkungen können fehlende Schuleingangsuntersuchungen auf die Kinder im schulischen Kontext haben? Gabriele Trost-Brinkhues, Kinder- und Jugendärztin und Sprecherin im Fachausschuss Kinder- und Jugendgesundheitsdienst beim Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, berichtet dem Deutschlandfunk. Auch DER SPIEGEL fragt, ob Kinder mit Förderbedarf nun durchs Raster fielen.

Die Zeit des Lockdowns haben einige Kommunen aber auch genutzt, um Erkenntnisse über zunehmende Bildungsungleichheit und ungleiche Teilhabechancen in Folge der Corona-Pandemie zu gewinnen. Um Aufschluss über die Lernsituation und den digitalen Schulalltag in der Corona-Pandemie zu erhalten, hat das Hamburger Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) (mehr dazu in einem Beitrag des NDR). Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler zum aktuellen Schulalltag in der Corona-Pandemie online befragt. Die Umfrage wurde zwischen dem 29. Mai und 7. Juni durchgeführt und wird aktuell ausgewertet.  Die Stadt Jena hat im April eine Online-Befragung von Eltern mit Kindern an allgemeinbildenden Schulen durchgeführt, um einen Einblick in das digitale Lernen während der Schulschließungen zu erhalten. Die Ergebnisse finden Sie hier.

Insgesamt zeigt sich, dass die Erfahrungen in den Kommunen sehr unterschiedlich sind – einerseits erschweren die Pandemiebedingungen die Arbeit im DKBM, andererseits wird die Bedeutung von Daten für Steuerungszwecke zunehmend erkannt, insbesondere wenn es um Fragen der Bildungsteilhabe und -benachteiligung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien geht. Hier kann das Bildungsmonitoring einen wertvollen Beitrag leisten, um Ungleichheiten aufzudecken.